Colectivo AfroRaiz

Colectivo AfroRaiz

Rivers of Meeting (RoM) befindet sich in der Flussgemeinde Cabelo Seco nahe Belem in Brasilien, an der Schnittstelle zwischen den Flüssen Itacaiúnas, Tocantins und Araguaia. Diese Region ist stark durch Eisenerzbergbau, Wasserkraftwerke und die Agrarindustrie bedroht. Für RoM ist die Erhaltung der Flüsse, ihrer Wälder und der Biodiversität untrennbar mit der Erhaltung und Neuerfindung der afroindigenen Kultur in Cabelo Seco verbunden. Die Arbeit des Projektes wird durch die kommunale Verwaltung unterstützt, da auch die nahe Stadt Marabá sich zu ein integriertes „bem viver“-Projekt (gutes Leben) entwickelt.

RoM ist eine gemeinnützige, unabhängige Nichtregierungsorganisation, die vom Colectivo „AfroRaiz“ koordiniert wird.

Colectivo „AfroRaiz“

Das Colectivo „AfroRaiz“ sind junge Menschen, die als gefährdete Kinder in dem Projekt begannen, ohne zu wissen, wo Afrika war oder was Amazonien ist. Heute sind sie Künstler, Workshopleiter und Kulturmanager, die in der Gemeinschaft, der Stadt, der Region anerkannt sind.

Die Gruppe will gesundheitliche, ökonomische, kulturelle und ökologische Versorgung sichern und schützen. Dafür nutzen sie viele verschiedene Methoden, um vorhandene Grenzen zu überschreiten und das gesamte Potenzial der Menschen auszuschöpfen. Sie bieten Workshops zu Musik, Tanz, Kunst, Theater, Literatur, Kochen, Video und Film an.

Die Jugendlichen bauen Medizingärten und sind journalistisch aktiv. Auf diese Weise soll nicht nur die zukünftige Generation profitieren, sondern schon jetzt die ganze Gemeinde. Durch die Integration aller Künste „nutzen“ die Jugendlichen ihre Kreativität und ihr Wissen, um die anderen Gemeinden der Region zu inspirieren, die Umwelt und sich selbst als Schlüssel zu einer nachhaltigen Zukunft im Sinne des „bem viver“ (gutes Leben) zu sehen. Die jungen KünstlerInnen entwickeln Performances und organisieren Workshops, um die Erinnerungen und Geschichte der Region lebendig zu halten und die Phantasie zu ent-kolonisieren. Darüber hinaus organisieren sie Festivals und Aktionen wie „Fahrradfahren für das Leben“, die dabei helfen, die sexuelle, häusliche, rassistische und Polizei-Gewalt öffentlich zu machen und so zu verringern. Sie entwickelten ein Solar-Bike um ein kommunales Radio zu betreiben.
Der Bildungsminister von Marabá hat akzeptiert, dass die Nachhaltigkeits-Pädagogik und das kulturelle Handeln der Gemeinschaft für die Lehrerausbildung und die formale Bildung von wesentlicher Bedeutung sind. Er ist der Ansicht, dass jede Schule zu einem „Transformationsraum“ werden sollte, in dem die Schüler kulturell gebildet werden, traditionelle Medizingärten und Solarmodule pflegen und demokratische Selbstverwaltungsfähigkeiten und interkulturelle Vermittlungskompetenzen erlernen sollen.

Mittlerweile sind 210 Schulen in der Region auf dem Weg, zu „SDG-Schulen“ zu werden, also die Sustainable Development Goals in ihre Curricula zu integrieren und in der Schule umzusetzen. Die Arbeit des Projektes und von AfroRaiz wurde 2018 von UNICEF Brasilien ausgezeichnet und auch der British Council ehrte die Arbeit des Projektes mit einer eigenen Website im neuen „Atlas of Future“ ( https://atlasofthefuture.org/ )

Die Jugendlichen von AfroRaiz sind nicht nur in ihrem Barrio Cabelo Seco aktiv sondern in der ganzen Stadt. Sie haben z.B. auch den weltweiten Schulstreik von #fridays4future am 15.3.2019 in die Stadt getragen.

Interview mit Evany Valente

Am Rande dieser Aktion hat die Zeitung CORREIO mit Evany Valente gesprochen, die gerade angfangen hat, an der Unifesspa (Staatliche Universität Süd und Südosten von Pará) Geschichte zu studieren. Evany ist bei AfroRaiz zuständig für die Koordination des Salus-Projekts (Heilpflanzen in Gemeinschaftsgärten), des Kinos Coruja und des Solarenergie – Projektes in Cabelo Seco.

Evany kam 2009 zum Rios de Encontro-Projekt, als es von den Kunstpädagogen Dan Baron und Manuela Souza in Gang gebracht wurde. „Mein Leben hat sich in diesen zehn Jahren sehr verändert. Ich war ein schüchternes Kind, das wenig äußerte. In der ersten Sitzung, die im Hinterhof eines Hauses stattgefunden hat, spielte ich süß Flöte mit geschlossenen Augen, mit so viel Scheu“, erinnert Evany sich.

Im Laufe der Zeit wurde sie eine engagierte Kämpferin Verfechterin der Umwelt zwischen den Klassenkameraden, dem Viertel und den Familienangehörigen. 2013 reiste Evany nach Europa und eröffnete den Weltkongress für Theaters und Bildung in Paris. Für sie war es ein unglaubliches Erlebnis, und ihre kulturelle und künstlerische Entwicklung begann..

Sie weiß, dass es nur wenigen jungen Menschen in ihrer Community gelingt, die Universität zu erreichen Und sie weiß, dass sie ihrem Engagement bei „Rios de Encontro“ und den anderen AktivistInnen einen Teil dieses Erfolgs zu verdanken hat. „Manu und Dan sind sehr ermutigend. Manchmal sagen wir Jugendlichen, dass wir diese oder jene Herausforderung nicht bewältigen können. Aber sie ermutigen uns weiter, und das macht den Unterschied aus. Ihre Worte lassen uns größer denken und wir nehmen uns dann den Mut“, erklärt sie.

Colectivo AfroRaiz

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