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Zu Besuch bei Joan Nantege auf Gut Wulfsdorf

Vergangene Woche haben wir Joan Nantege von unserem Partnerprojekt Sosolya Undungu Dance Academy in Uganda auf dem Gut Wulfsdorf in Ahrensburg besucht. Ermöglicht durch den langjährigen Einsatz unserer engagierten Partner Welf Petram und Manfred Felke Zech, sowie des Fördervereins von Sosolya in Deutschland, Sosolya Undugu Familie e.V., macht die 22-jährige dort eine dreijährige Ausbildung, in der sie verschiedene Bereiche der ökologischen Landwirtschaft kennenlernt. Das Demeter Gut Wulfsdorf im Norden Hamburgs arbeitet nach den Prinzipien der biologisch-dynamischen Landwirtschaft, das sowohl Ackerbau als auch Viehzucht beinhaltet. Die Produkte werden direkt vor Ort im Hofladen und auf regionalen Wochenmärkten verkauft.

Bei unserem Besuch hat sie uns eine ausführliche Führung über das Gut gegeben und sich unseren Fragen gestellt. Die wesentlichen Punkte unseres Gesprächs haben wir übersetzt und hier in Kurzfassung zusammengestellt:

Hast du in Deutschland begonnen dich für Landwirtschaft zu interessieren oder warst du schon immer daran interessiert?

Ich habe schon in Uganda in der Landwirtschaft gearbeitet. Bei Sosolya haben wir eine kleine Farm, auf der wir unter anderem Mais und Bohnen anbauen und auch Hühner und Ziegen haben. Ich habe die Gartenarbeit auch schon als Kind sehr geliebt. Wir hatten ein Haus mit einem großen Garten, in dem wir verschiedenes Gemüse, unter anderem Zwiebeln und Mais, anbauten. Nur für den Eigenbedarf.

Kannst du das Wissen und die Erfahrungen aus Uganda hier in Deutschland anwenden oder sind die Voraussetzungen hier andere?

Im Sommer und Frühling ja. Jetzt pflanzen wir Mais und Zwiebeln an. Jetzt wird auf dem Feld gepflanzt und nicht in den Gewächshäusern. Da fühle ich mich wie zu Hause. Wenn ich gärtnere, vergesse ich völlig, dass ich in Deutschland bin. Auch die Menschen hier geben mir das Gefühl, dass ich zu Hause bin. Ich habe noch nie Heimweh empfunden.

Bist du das erste Mal in Deutschland?

Es ist mein erstes Mal in Deutschland. Ich war so aufgeregt, das könnt ihr euch nicht vorstellen.

Wusstest du von Anfang an, dass du etwas mit der Natur machen möchtest?

Ja, ich liebe die Natur. Es macht mich glücklich etwas anzupflanzen und jeden Morgen zu sehen, wie es wächst. Aus meinem Zimmer sehe ich einen großen Baum. Als ich gekommen bin, hatte dieser noch keine Blätter. Jeden Tag habe ich nach draußen geschaut, um zu sehen, wie die Blätter wachsen. Jeden Tag, wenn ich mit der Arbeit fertig war, habe ich mich mindestens 30 Minuten neben dem Baum gesetzt und diesen angeschaut. Ich liebe die Natur wirklich.

Seit ein paar Jahren arbeitet auch Sosolya intensiver daran, die Umgebung nachhaltiger zu gestalten.

Ja, sie machen eine wirklich tolle Arbeit. Ich erinnere mich, dass wir viele Bäume gepflanzt haben. Sehr viele. Ich habe so viele Bäume gepflanzt, dass ich aufgehört habe diese zu zählen. Selbst als Corona anfing, haben wir so viel gepflanzt wie möglich. In der Gemeinde versuchen sie, die Mitmenschen zu aktivieren, damit noch mehr Bäume gepflanzt werden und Bewusstsein für Recyclingprozesse zu schaffen.

Denkst du, dass die Kombination aus Kultur- und Bildungsarbeit von Sosolya dazu beiträgt, solche Ziele in die Gemeinde zu tragen?

Ja, ich glaube schon. Die Menschen mögen es unterhalten zu werden. Dafür versammeln sie sich. Also haben wir die Aufführungen gemacht. Und dann sprechen wir über den Tanz den wir aufführen: Wofür steht er und wie können wir diesen nutzen, um etwas in den Köpfen der Leute zu verändern? So erreicht man die Community. Wenn man jedoch zu einer Person geht und sagt, du musst das, das und das tun, funktioniert das nicht. Darauf werden sie nicht hören.

Hast du bei Sosolya auch Tanzunterricht gegeben?

Ja. Wir haben jüngere Kinder, denen wir Ältere das beibringen, was wir gelernt haben. Die Jüngeren unterrichten dann später wieder die Jüngeren und so weiter. Ich war kurz davor, Senior-Lehrerin zu werden, aber jetzt bin ich erstmal hier.

Findest du hier auch Zeit zum Tanzen oder zum Musikhören?

Ja, ich höre gerne Musik. Mit Musik ist die Welt in Ordnung.

Hattest du, bevor du hierhergekommen bist, eine bestimmte Vorstellung von Deutschland? Falls ja, ist es jetzt so wie du es erwartet hast? Oder ist es ganz anders?

Durch die Erzählungen der Jugendlichen von Sosolya, die mit der KinderKulturKarawane schon hier waren, hatte ich bereits eine gute Vorstellung von Deutschland. Als ich ankam, habe ich mich jedoch sehr darüber gewundert, was mit der Natur passiert. Ich wusste nicht, dass die Natur im Winter komplett karg ist und die Blätter dann wieder zurückkommen. Ich habe mich gefragt: Was passiert hier?

In welchen Bereichen hier auf dem Hof arbeitest du?

Zuerst war ich im Stall. Jetzt weiß ich, wie Kühe wirklich sind. Zurzeit bin ich im Garten und ich möchte dort noch etwas mehr Zeit verbringen, da es so viele verschiedene Pflanzen gibt, die ich zum ersten Mal sehe und dessen Namen sehr schwierig sind. Es sind so viele. Ich brauche mehr Zeit, um sie alle zu lernen.

Was hast du bisher gelernt, das du mit nach Uganda nehmen wirst?

Ich möchte die Art und Weise, wie hier die Dinge im Garten gemacht werden, nachahmen. Ich möchte meinen eigenen Garten und es dort so machen, wie es hier gemacht wird. Und vielleicht, wenn ich die gleichen Methoden anwende wie hier, kann ich mehr Pflanzen anbauen und diese dann auch weiterverkaufen. Das möchte ich mit nach Hause nehmen und es dort ausprobieren. Das ist der Grund, warum ich das hier mache.

Vermisst du hier etwas aus Uganda?

Ich habe „Chapati“ (eine Art Fladenbrot) vermisst, aber ich glaube nicht, dass ich irgendwas besonders vermisse. Die Leute hier sind so nett. Wir essen zusammen, reden, schauen Filme. Und sie fragen mich immer, was ich gerne machen möchte. Ich habe zwei Wochen gebraucht, um herauszufinden, wer mein Chef ist, denn so wie er mit mir gesprochen hat, habe ich das nicht bemerkt. Alle hier sind so nett und einladend

Bilderstrecke „Besuch auf Gut Wulfsdorf“ (5 Bilder)

Wir freuen uns mit Joan, dass sie für sich den richtigen Platz gefunden hat und sie dadurch einen Teil Ugandas nach Deutschland trägt. Sicherlich wird sie in den nächsten drei Jahren auch Teil unserer Projekte sein. 

Weitere Informationen
Webseite des Sosolya Undugu Familie e.V.
Facebook-Seite Sosolya Undugu Dance Academy
Sosolya bei CREACTIV für Klimagerechtigkeit
Webseite vom Gut Wulfsdorf