Makhampom

Makhampom, auch Indian gooseberry genannt, ist eine Nutz- und Heilpflanze: Das Holz wird als Bauholz verwendet, und den Früchten werden neben ihrer durstlöschenden Eigenschaft verschiedene medizinische Wirkungen zugesprochen. Die kleinen Beeren schmecken zuerst sehr sauer und bitter, so dass man sie am liebsten gleich ausspucken möchte, weil sie den Mund zusammenziehen. Nach einer Weile, besonders wenn man Wasser darauf trinkt, schmecken sie leicht süßlich und kühlen den Mund angenehm.
Die Gruppe Makhampom vergleicht ihre Tätigkeit mit dem Geschmack der Beere: Die Auseinandersetzung in Theaterstücken und Workshops ist manchmal unbequem und vergnüglich zugleich, denn die Gruppe thematisiert soziale Themen wie Drogenkonsum, Prostitution und AIDS, die in Thailand große Probleme darstellen. Die Gruppe fordert sowohl zum Nachdenken über diese Themen auf, als auch zur Auseinandersetzung der Individuen mit ihrem eigenen Leben. Das Theater als Medium für die Thematisierung dieser Probleme stellt aber gleichzeitig einen großen Unteraltungswert dar.
Die mannigfache Heilwirkung der kleinen Beere ist ebenfalls auf die Gruppe übertragbar: Makhampom versteht ihre Theaterprojekte als kleinen Bestandteil der Gesellschaft, die durch ihre Tätigkeit heilsam auf Gesellschaftsprozesse wirken kann. Im Namen dieser Pflanze steckt eine assoziative Kraft, die bereits etwas über Methoden, Ideologie und Ziele der Organisation verrät.

Die Organisation Makhampom ist 1980 aus einer interreligiösen Organisation hervorgegangen. Sie bezeichnet sich als NGO (non governmental organization), was bereits eine bestimmte Richtung ihrer Arbeit angibt. NGOs wollen Einfluss nehmen auf den sozialen Wandel der Gesellschaft. Thailand mit seinen gesellschaftlichen Problemen bietet diverse Arbeitsfelder für NGOs: Durch Entwaldung, Wasserverknappung und Luftverschmutzung sind Thailands natürliche Ressourcen bedroht. Die Kluft zwischen Arm und Reich ist gestiegen. Während im zentralisierten Bangkok Millionäre im Geld „schwimmen“, lebt ein großer Teil der thailändischen Bevölkerung nach wie vor von Landwirtschaft, und ein erheblicher Anteil ist arm. Weitverbreitete Prostitution stellt durch Übertragungsgefahr des HI-Virus seit den 80er Jahren eine lebensbedrohliche Gefahr dar.

Ursprünglich war Makhampom eine Theatergruppe von jungen Leuten, die in ihren Stücken die Verletzung von Menschenrechten und soziale Themen thematisierte. Wenige Zeit nach ihrer Gründung entdeckte sie jedoch die pädagogische Theaterarbeit für sich und begann, Theaterworkshops für benachteiligte Kinder und Jugendliche anzubieten. In den Theaterworkshops sollten die Kinder und Jugendlichen ihre Gedanken, Ideen und Probleme herausarbeiten. Es ging Makhampom hauptsächlich darum, den Jugendlichen in ihrer Unsicherheit und Orientierungslosigkeit durch das Theater einen Weg zu weisen und Selbstbewusstsein zu stärken. Gleichzeitig sollten diese mit ihrem Theater die Themen ansprechen, die für die thailändische Bevölkerung wichtig sind und oft totgeschwiegen werden. Unter professioneller Anleitung entwickelten die Jugendlichen neue Theaterformen, die sowohl traditionelle Elemente des thailändischen Theaters als auch moderne Elemente enthielten und diese mit sozialkritischen Themen verbanden.

Makhampom leitet inzwischen an vier verschiedenen Orten in Thailand Jugendtheatergruppen, die unter der Regie eines hauptamtlichen Mitarbeiters Makhampoms regelmäßig Theater spielen. Die Gruppen unterscheiden sich ethnisch voneinander und haben regional unterschiedliche Probleme. Während in Maehongson eine heterogene Gruppe aus Karen und Lahu Daeng entstanden ist, die sich gegenüber der thailändischen Jugend minderwertig fühlen, sind in Phisanukok und Chiang Rai Drogenmissbrauch und AIDS das Thema.. Es wird dabei sowohl Aufklärungsarbeit in diesen Themen betrieben, als auch Workshops mit Jugendlichen gemacht, die von diesen Problemen direkt betroffen sind.
In den Workshops sollen die Jugendlichen Basisgrundlagen des Theaterspiels erlernen. Es soll aber auch ein kritisches Bewusstsein für ihre Probleme geweckt werden und die Jugendlichen sollen versuchen, gemeinsam Lösungsansätze für diese Probleme zu erarbeiten.

Makhampom nutzt das Theater auf verschiedene Weise. In Form von Tourneetheater zeigt die Gruppe landesweit eigene Produktionen. Vor und nach der Performance gibt es gemeinsame Spiele und Diskussionen mit dem Publikum, die einen direkten Kontakt zu den Zuschauern herstellen.
Mit kleineren Theaterproduktionen ist Makhampom bei sozialen Veranstaltungen, Demonstrationen oder in sozialen Institutionen engagiert. Auch hier präsentieren sie sich meist mit sozialkritischer Volkskunst.
In themenspezifischen Theaterworkshops für Jugendliche, Nationalparkarbeiter oder andere NGOs können die Teilnehmer mit Hilfe von Theater die Probleme und Schwierigkeiten ihrer eigenen Kommune erkennen. Durch theatrale Basistechniken, Erkundung der eigenen Kommune und Analyse der sozialen Bedingungen entstehen lebensnahe Theaterimprovisationen, die das jeweilige Geschehen reflektieren und von der Kommune als Publikum angeschaut und reflektiert werden.

Durch die Anleitung von Theaterworkshops sind in einigen Provinzen Thailands eigenständige Jugendtheatergruppen entstanden, die von Makhampom betreut werden.

Weitere Informationen

Website des Projekts

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