Was will die Hamas wirklich?

In der Berliner Zeitung ist heute eine Kolumne von Gideon Levy unter dem Titel „Was will die Hamas wirklich?“ erschienen.

Gideon Levy arbeitet seit 1982 bei der liberalen Zeitung Haaretz, schreibt dort Reportagen, Analysen, Kolumnen. Und er bekommt täglich Hunderte E-Mails, in denen er von den Adressaten bedroht, beleidigt und beschimpft wird – gehört er doch zu den wenigen israelischen Journalisten, die über den Alltag der Palästinenser, die Folgen der Besatzung und solcher israelischer Offensive wie den aktuellen Krieg schreiben. Dafür fährt er sogar nach Gaza oder Ramallah, was seine Mitbürger schon lange nicht mehr tun.

Mit seinen Texten fordert er seine Leser auf, den Konflikt auch einmal aus der palästinensischen Perspektive zu sehen.Wer auch einen Perpektivwechsel wagen will, kann sich den Artikel hier ansehen: Berliner Zeitung – Was will die Hamas wirklich.

Veröffentlicht unter Gewalt, Juliano Mer-Khamis, Palaestina, The Freedom Theatre | Schreib einen Kommentar

„GAZA-Monologe“ vom ASHTAR-Theatre aktueller denn jeh!

Erst Ende September kann eine Gruppe des ASHTAR-Theatre aus Ramallah bei der KinderKulturKarawane starten. Ursprünglich war geplant die Tour mit Jugendlichen aus dem Gaza, die 2010 auch schon dabei waren und die Monologe mit verfasst hatten, Anfang September nach Deutschland und Österreich zu bringen. Hier ein Video über die Produktion der Gaza-Monologe 2010 im Gaza.

Mit der Vereidigung der neuen palästinensischen Regierung am 2. Juni 2014, die von Fatah und Hamas zusammen gebildet wurde, war dieser Traum geplatzt. Israel hat sofort alle Grenzen abgeschottet und den Konflikt um den Gaza-Streifen systematisch geschürt – bis hin zu der aktuellen höchst dramatischen Situation des Einmarsches israelischer Truppen in den Gaza-Streifen.

Leider hatte das ASHTAR-Theatre an den „Plan B“ nicht gedacht. Weil im September in der Westbank die Schule beginnt, können zu dieser Zeit keine Jugendlichen auf Tour gehen. Das wird erst möglich, wenn die Schule „wieder richtig läuft“, also Ende September.
Dann werden 6 Jugendliche aus Ramallah die Gaza-Monologe in Deutschland und Österreich in 15 Städten zeigen. Vermutlich wird das Stück dann erneut aktueller denn jeh sein. Die Termine werden hier regelmäßig aktualisiert werden.

Mehr Informationen zu dem Projekt 2010: www.thegazamonologues.com
Aus aktuellem Anlass hat das ASHTAR-Theatre unter dem Titel „Words for GAZA“ auch ein Video mit kurzen Ausschnitten aus den Gaza-Monologen veröffentlich.

Veröffentlicht unter Arts for social transformation, Ashtar-Theatre, Forum-Theater, Gewalt, Kulturelle Bildung, Palaestina | 2 Kommentare

Neues Gesetz legalisert Kinderarbeit in Bolivien

Das am 3. Juli vom bolivianischen Parlament beschlossene Kinder- und Jugendgesetz bezieht die Interessen und Forderungen arbeitender Kinder in Bolivien ein. Erstmals wurde mit der Union der arbeitenden Kinder und Jugendlichen Boliviens (UNATsBO) eine Vertretung dieser Kinder an den Gesetzesverhandlungen beteiligt.

»Das Gesetz anerkennt die momentane Situation der Kinder in Bolivien und schafft für sie die nötigen gesetzlichen Rahmenbedingungen, damit sie geschützt und nicht kriminalisiert werden«, erklärte Iris Stolz, Fachreferentin von terre des hommes. »Selbstverständlich muss das Ziel bleiben, Kinderarbeit zu überwinden, denn Kindheit soll nicht Arbeit, sondern Spielen und Lernen bedeuten. Doch die Kinderarbeit in Bolivien ist Ausdruck von Armut, die nicht per Gesetz, sondern nur in einem langfristigen Entwicklungsprozess abgeschafft werden kann. Bis dahin muss es darum gehen, die Kinder besser vor Ausbeutung und Gewalt zu schützen und ihren Anspruch auf ein menschenwürdiges Leben anzuerkennen. Wir begrüßen, dass hier nicht wie sonst üblich allein von Erwachsenen über die Kinder entschieden wurde, sondern die betroffenen Kinder gehört und einbezogen wurden«.

Die neue Regelung sieht vor, dass die Arbeit von Kindern unter Bedingungen stattfinden muss, die ihre Gesundheit und ihr Recht auf Bildung gewährleisten. Außerdem sollen die Kinder davor geschützt werden, aufgrund ihres Alters geringer als Erwachsene entlohnt zu werden. Die Arbeit der Kinder soll künftig unter der Aufsicht von lokalen staatlichen Kinderschutzstellen stehen, die Fälle prüfen, um die entsprechende Genehmigung zu erteilen oder auch Schutz- und Hilfsangebote zu machen. Der Staat wird verpflichtet, in einem periodischen Zensus zu ermitteln, wie viele Kinder in welchen Bereichen und unter welchen Bedingungen arbeiten.

Veröffentlicht unter Allgemein, Arts for social transformation, Bildung für nachhaltige Entwicklung, Teatro Trono, YAURI / COMPA | Verschlagwortet mit , , , , , | Ein Kommentar

Willibalds peruanisches Tagebuch – Teil 4

Samstag, 05.07.2014
Heute haben wir erstmal ganz ruhig angehen lassen. Dann wir wir in die Innenstadt von Lima, um uns die große Parade anzuschauen. Von der Parade sind wir dann an den Pazifik spaziert, nach Miraflores, ein Stadtteil von Lima.

Sonntag, 06.07.2014
Heute ging in Villa El Salvador das „FESTICIRCO“ zuende. Nach einer großen Parade durch den Stadtteil, an der alle Artisten und Artistinnen teilnahmen, gab es noch eine große Show, bei alle Beteilgiten etwas zeigen konnten, wir also auch. Die Parade hat richtig Spaß gemacht, auch wenn wir ganz schön viel laufen mussten.

Montag, 07.07.2014
Heute haben wir uns noch einmal mit unsere Partnerschule getroffen. Dort haben wieder einen Workshop gegeben und überlegt, wie unsere Partnerschaft jetzt weitergeht. Gemeinsam mit „Arena y Esteras“ ist jetzt ein Gegenbesuch von SchülerInnen der Schule „Buena Esperanza“ für den Juni im kommenden Jahr bei uns in Wilhelmsburg geplant.

Dienstag, 08.07.2014
Heute fliegen wir zurück. Am Vormittag haben wir noch ein paar kleine Einkäufe gemacht. Wir mussten noch packen und dann ging es schon früh los zum Flughafen. Um 20.10 Uhr ist unsere Maschine in Lima gestartet. Adios Peru! Nos vemos „Arena y Esteras“! Abrazos para nuestros amigos de „Buena Esperanza“.

Mittwoch, 09.07.2014
Fast pünktlich landet unsere Maschine in Hamburg. Pünktlich in jedem Fall zum Ferienbeginn.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Veröffentlicht unter Akrobatik, Arena y Esteras, Arts for social transformation, Cultura Viva Communitaria, Kulturelle Bildung, Musik, Zirkus | Schreib einen Kommentar

Willibalds peruanisches Tagebuch – Teil 3

Mittwoch, 02.07.2014
Am Nachmittag wollten wir noch auf einer Wiese in der Nähe für die nächsten Auftritte üben, doch zum einen machte uns unerwarteter Weise das Wetter einen Strich durch die Rechnung – es fing an zu regnen und zum anderen waren wir lange mit organisatorischen Sachen beschäftigt, denn wir hatten kein Geld mehr und konnten keins mehr Wechseln denn alle Banken hatten Probleme mit den Visakarten und stießen diese ohne Auszahlung immer wieder aus. Wie sollten wir nun bis zum nächsten Morgen unsere Hostalrechnung bezahlen und mit dem Bus loskommen?

Donnerstag, 03.07.2014
Zum Glück konnten wir am frühen Morgen noch ein paar hundert Soles bekommen und damit das Hostal bezahlen. Nun sind wir auf der 8-stündigen Rückfahrt nach Lima.
Morgen haben wieder ein großen Auftritt in Villa El Salvador mit unseren Partnern beim FESTICIRCO.

Freitag, 04.07.2014
Nachdem wir am Vormittag das WM-Spiel Deutschland gegen Frankreich im Fernsehen geschaut hatten, fuhren wir am frühen Nachmittag mit dem Bus nach Villa El Salvador, machten noch einen kleinen Workshop mit unseren Partnern und eine letzte Probe. Gegen 20:00 Uhr hatten wir dann unseren großen Auftritt zusammen mit vier anderen Gruppen. Es war wohl unser bester Auftritt vor den vielen einheimischen Zuschauern.
Gegen 22:30 Uhr erreicht mir gerade noch den letzten Bus, um in unser Hostel zurückzukommen.

Am Samstag machen wir noch einen ruhigen Tag, schauen uns die große Parade in Lima an und wandern am Strand noch bis nach Miraflores.
Sonntag ist dann die große Zirkus- und Kulturparade durch Villa El Salvador.
Am Montag treffen uns dann noch mit unserer Partnerschule, um Absprachen für den Austausch im nächsten Jahr zu treffen.

Dienstag ist unser letzter Tag hier in Lima, wir fliegen am Abend zurück nach hause und hoffen am Mittwochabend gesund und munter in Deutschland wieder zu landen.

 

 

Veröffentlicht unter Akrobatik, Allgemein, Arena y Esteras, Arts for social transformation, Kulturelle Bildung, Zirkus | Schreib einen Kommentar

Willibalds peruanisches Tagebuch – Teil 2

Samstag, 28.06.2014
Wir fahren zusammen mit unseren Freunden und Freundinnen mit dem Bus hoch in die Anden nach Huaraz. Die Fahrt ist schon sehr beeindruckend. Dann sind wir in Huaraz auf 3100 m Höhe.

Sonntag, 29.06.2014
Heute gibt es eine Aufführung im Kulturzentrum von Huaraz. Vermutlich sind wir wir jetzt der erste deutsche Jugendzirkus der in über 3000 m Höhe spielt.

Montag, 30.06.2014
Zunächst haben wir einen ruhigen Morgen und fahren mit unseren Freunden in ein Thermalbad in die Berge. Das tut gut!
Danach schauen wir gemeinsam das Spiel gegen Algerien. Am Abend spielen wir im Hostal noch Karten.
Der Versuch in einer lokalen Schule noch einen Workshop zu organisieren, ist leider an Formalitäten gescheitert.

Dienstag, 01.07.2014
Wir machen zusammen einen Ausflug mit den Bus zu den höchsten Bergen der Anden. Dort gibt es eine wunderschöne Lagune. Wir wandern von dort eine Stunde durch einen Regenwald.
Am Abend kochen wir alle zusammen Nudeln mit Tomatensosse. International und lecher.

Mittwoch, 02.07.2014
Heute ein ruhiger Tag, bevor wir morgen nach Lima zurückfahren.Nach dem Frühstück wurde in kleinen Gruppen gespielt. Dann waren wir auf einem kleinen Markt und haben anschließend zum letzten Mal die leckeren Crepes im Restaurant gegessen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Veröffentlicht unter Akrobatik, Arena y Esteras, Arts for social transformation, Cultura Viva Communitaria, Kulturelle Bildung, Zirkus | Schreib einen Kommentar

Willibalds peruanisches Tagebuch – Teil 1

Sonntag, 22. Juni
Alle waren pünktlich, und es konnte losgehen.
Der Flug nach Peru war anstrengend aber ohne große Vorkommnisse. Wir landeten pünktlich am Sonntagabend nach circa 16 Stunden in Lima. Arturo von „Arena y Esteras“ holte uns ab und begleitete uns zum Hostel, das wir gebucht hatten. Das Hostel war aber seit einiger Zeit geschlossen. Jetzt war Improvisation angesagt: mit vier Taxis fuhren wir nach Villa El Salvador und richteten uns auf Matten und Decken im Kulturzentrum von „Arena y Esteras“ ein.

Montag, 23. Juni
Wir haben gut geschlafen. Aber es ist eben alles improvisiert. Gemeinsames Frühstück, Proben und viel Organisation steht an. Wir haben einen kleinen Rundgang durch Barrio von „Arena y Esteras“ gemacht und dann sind wir in unser neues Hostel gezogen.

Dienstag, 24. Juni
Wir brauchen vom Hostel nach Villa El Salvador ca. 1 Stunde. Dort haben wir in unserer Partnerschule vor Hunderten von Kindern ein tollen gemeinsamen Auftritt. Nach dem Essen gibt es gemeinsame Workshops. Am Abend war noch über 1 Stunde mit dem Bus zurück zum Hotel und eine Pizza essen.

Mittwoch, 25. Juni
6:30 Uhr aufstehen. 7:00 Uhr Frühstück. 8:00 Uhr zum Bus. 9:15 Uhr sind wir bei Arena y Esteras in Villa El Salvador und besuchen wieder unsere Partnerschule „Buena Esperanza“. Wieder eine tolle Zusammenarbeit. Gemeinsames Mittagessen dort und nachmittags wieder Workshops.

Donnerstag, 26. Juni
Auftritt beim Colegio Aleman. Wir fahren morgens nach dem Frühstück mit drei Taxen nach Miraflores zu einer der größten und angesehensten Schulen in Peru. Eine moderne Schule mit  über 1000 Schülern. Wir machen dort unseren Auftritt für etwa 300 Kindern der Grundschule auf einer richtigen Bühne mit Lichttechnik, Musikanlage und Mikrofon. Diesmal ist fast alles perfekt es macht richtig Spaß. Die Kinder sind begeistert und es war einer der besten Auftritte, die wir je gemacht haben.
Danach schauen wir gemeinsam in einer Riesensporthalle das Fußball-Länderspiel gegen die USA, das Deutschland eins zu null gewinnt. Nach dem gemeinsamen Essen fahren wir mit Taxis zurück mit Taxis wieder in unser Hostel.
Am Nachmittag machen wir einen kleinen Spaziergang durch den Stadtteil Barranco und wandern zum Pazifik. Ein toller Ausblick mit ein wenig Sonne. Die Kinder sollen nur bis zu den Füßen ins Wasser, sind aber hinterher trotzdem pitschnass.
Am Abend essen wir in Ruhe zu Hause Brot mit Käse.

Freitag, 27. Juni
Wir können heute auspannen und werden Lima besichtigen. Am Samstag geht es weiter nach Huaraz mit dem Bus in die Anden um dort an Schulen Workshops zugeben und Aufführungen zu machen.

Veröffentlicht unter Akrobatik, Allgemein, Arena y Esteras, Arts for social transformation, Bildung für nachhaltige Entwicklung, Cultura Viva Communitaria, Kulturelle Bildung, Zirkus | Schreib einen Kommentar

Der Austausch startet – „Zirkus Willibald“ greift ein

Nach dem Ruhetag wegen der anstregenden Reise, hat der ZIRKUS WILLIBALD aus Hamburg-Wilhelmsburg am Dienstag sein Austauschprogramm begonnen. Zusammen mit den FreundInnen von „Arena y Esteras“ und anderen Zirkusartisten waren sie zu Gast an einer Schule. Sie haben dort zum einen ihr Können gezeigt, aber auch kurze Workhops in unterschiedlichen Bereichen gegeben. In paar Eindrücke gibt es hier. Eine große Galerie ist auf unserer FACEBOOK-Seite zu finden – oder hier direkt: https://www.facebook.com/media/set/?set=a.408909309249643.1073742020.100003917318984&type=1

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Veröffentlicht unter Akrobatik, Allgemein, Arena y Esteras, Arts for social transformation, Zirkus | Schreib einen Kommentar

„Zirkus Willibald“ zu Gast in Peru

Das Motto vom Zirkus Willibald.

Gut gelandet sind die 9 Kids und ihre 4 erwachsenen BetreuerInnen vom „Zirkus Willibald aus Hamburg-Wilhelmsburg gestern Abend im Lima. Sie sind zu Gast bei „Arena y Esteras“ in Villa El Salvador, am Rande von Lima. Mit dem Propjekt und Schulen des Viertels wird es vielfältigen Austausch und Workshops geben. Die Ergebnisse und das eigene Programm werden u.a. beim FESTICIRCO in Villa El Salvador zu sehen sein.
Für den Montag ist erstmal „Entspannung“ angesagt. Am Dienstag geht das Programm dann richtig los.

Veröffentlicht unter Akrobatik, Arena y Esteras, Arts for social transformation, Kulturelle Bildung, Zirkus | Schreib einen Kommentar

„Wir sind alle Kinder von Ananse“

Die jungen KünstlerInnen von KAYEYE

Die Vorbereitungen der kolumbianischen Gruppe KAYEYE für die KinderKulturKarawane 2014 laufen auf Hochtouren. Zurzeit sind sie intensiv dabei, die Pässe für alle Beteiligten zu beschaffen – und das ist ein ziemlich bürokratischer Aufwand, wie überall auf der Welt. Schwierig ist es insbesondere wegen der „minderjährigen“ Gruppenmitglieder. Zum Glück sind die beiden Leiter des Projekte erfahrerne junge Männer: Fabio war 2003 mit „Taller de Vida“ aus Bogotá bei der KinderKulturKarawane dabei, Carlos sogar schon zweimal: 2003 und 2006.

Vor kurzem hatte die Gruppe die Gelegenheit in den Räumen von LA CANDELARIA zu proben, eines der seit Jahrzehnten wichtigsten Theaterprojekte Lateinamerikas. In diesen Räumen wird der Ansporn groß, was „richtig Beeindruckendes“ auf die Bühne zu bringen. Damit auch der „äußere Eindruck“ stimmt, hat sich die Gruppe wunderschöne T-Shirts für die KinderKulturKarawane 2014 produzieren lassen.

Eine kleine Hebamme.

Worum geht es in ihrer Produktion „Ananse, uralte Fäden“?
Hintergrund des Stückes ist eine Sage des Stammes der AKAN aus dem Süden Ghanas. Die Geschichte der Spinne Ananse erzählt davon, wie sie ein großes Netz spinnt, in dem sie die vielen Geschichten der Versklavten beherbergt, die ihrer Heimat entrissen und nach Südamerika verfrachtet worden waren. Dank Ananse leben diese Geschichten nun in vielen Regionen Amerikas, auch in Kolumbien, wieder auf.

In dem Stück von Kayeye wird Ananse durch die Gestalt der Hebamme verkörpert. Im Glauben der schwarzen Bevölkerung Kolumbiens sind die Hebammen diejenigen, die die Erinnerungen an die Vergangenheit aufrechterhalten und sie bewahren. Sie sind die ersten, die die Kinder der neuen Generation in ihren Armen halten und an die sie ihr gesamtes Wissen, das sie von unseren Vorfahren geerbt haben, weitergeben. Die Aufgabe der neuen Generation ist es dann auch, dieses Wissen zu bewahren. Diejenigen, die das Wissen bewahren, werden Kinder der Ananse genannt.

„Unser Stück spielt zunächst an den Orten wo wir geboren wurden, in der Nähe von Flüssen, wo die Hebammen in die Schluchten stiegen um ihre Kleidung zu waschen. Ein Fluss gab uns all das, was wir zum Überleben brauchten und in seiner Nähe entstand der Großteil der Tänze und Lieder, die zu einem wichtigen Teil unserer Identität und unseres Gebietes wurden.

Training in den Räumen von La Candelaria

Diese Orte waren voll von natürlichen Schätzen wie zum Beispiel Gold. Die Hebammen verarbeiteten diese auf künstlerische Art und Weise. Aber diese Schätze wurden auch von anderen gesehen, und schickten die Privatarmeen dorthin. Diese Armeen besetzten die Gebiete, übernahmen die Kontrolle und vertrieben ganze Familien aus ihren Dörfern.

Diese Privatarmeen waren paramilitärische Gruppen, die heute als „Águilas Negras“ (Schwarze Adler) schon in der dritten Generation als Kriminelle bekannt sind. In unserem Stück erwecken wir diese Raubvögel wieder zum Leben. Wir nennen sie so, weil sie so waren wie die Raubvögel – so wie sie ins Leben der Zivilbevölkerung eingegriffen haben und wie sie abscheuliche Verbrechen begehen konnten – ohne dass sie dafür verurteilt wurden. Die Zuschauer sollen etwas über deren wahre Absichten erfahren, über das, was Gewalt und bewaffnete Konflikte anrichten und wie die Gebiete unserer Ahnen  in einen Schauplatz dieses Konflikts verwandelt wurden. Sie sollen erfahren, wie Familien vertrieben wurden, alles hinter sich lassen mussten und nur das nackte Leben retten konnten.

Eine der Darstellerinnen mit dem T-Shirt für die KinderKulturKarawane

Heute leben wir in der Stadt, in Bogotá; weil wir vor der Gewalt geflohen sind. Aber wir vergessen nicht, woher wir kommen. Wir bewahren unsere kulturellen Traditionen weiterhin, indem wir versuchen, sie auf unterschiedliche Art und Weise an neue Zeiten und Orte anzupassen. Das bringt gewisse Herausforderungen mit sich, denen wir uns stellen, um unsere (schwarze) Kultur am Leben zu erhalten.

Deswegen möchten wir die Musik, die Tänze und jedes einzelne Element unseres mündlich überlieferten und nicht materiellen Erbes mit Stolz weitertragen und es durch unsere künstlerische Arbeit symbolisch wiedererschaffen. Wir möchten mit Ananse weiter die Netze spinnen die es uns erlauben, uns mit dem zu verbinden, was uns ausmacht, denn noch sind wir über unsere Nabelschnur mit dem Gebiet unserer Vorfahren verbunden. Wir sehnen uns danach dorthin zurückkehren zu dürfen.

Unser Stück endet mit der Freude, mit der wir unser Leben trotz aller Schwierigkeiten leben. Wir werden die Hoffnung nicht aufgeben, weiterhin unsere eigenen und gemeinsamen Träume verwirklichen zu könnnen und vor allem werden wir nicht vergessen, wer wir sind: Wir sind alle Kinder von Ananse.“

Veröffentlicht unter Arts for social transformation, Bildung für nachhaltige Entwicklung, Gewalt, Kolumbien, Kulturelle Bildung, Musical, Tanz | Schreib einen Kommentar