Neue Struktur – neue Dynamik?

2015_Roadmap_deutsch-1Im Rahmen der Bildungsmesse „didacta“ in Hannover gab es wieder einen UNESCO-Tag, der im Laufe der UN-Dekade 2005-2014 zum beliebten Netzwerk-Treffpunkt geworden war. In der Hoffnung, Konkretes zur  „Roadmap zur Umsetzung des Weltaktionsprogrammes Bildung für nachhaltige Entwicklung“ zu bekommen, waren eine Reihe von Kollegen und Kolleginnen nach Hannover gereist.
Den Auftakt der Diskussion bildete Gespräch von Expertinnen und Experten in jenen Handlungsfeldern, auf denen der besondere Fokus des Weltaktionsprogramms liegt. Bettina Schwertfeger, Leiterin des Referats Bildung in Regionen des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), kündigte gleich zu Beginn an, dass für die bundesweite Umsetzung des Weltaktionsprogramms eine Nationale Plattform ins Leben gerufen werden wird – unter der Leitung von Cornelia Quennet-Thielen, Staatssekretärin im BMBF. Als Berater habe sich die Staatssekretären Walter Hirche, Präsident der UNESCO-Kommission, und Prof. de Hahn, den eigentlichen Motor der damalien UN-Dekade, ins Boot geholt.

20150226_Expertengespraech-didacta_01Ein jährlicher Kongress soll künftig die Einbindung möglichst vieler Akteure in die Umsetzung des Weltaktionsprogramms gewährleisten. Weiterhin werde es wieder ein Verfahren zur Auszeichnung vorbildhafter Initiativen im Bereich BNE geben, allerdings in anderer Form als während der UN-Dekade. Die verschiedenen AGs, die es zur UN-Dekade gab, werden weiterarbeiten können und sollen z.B. bei den Kongressen einen besonderen Status bekommen.

Fragen über Fragen
Warum zieht das BMBF mit der Macht des Geldes die „Leitung“ an sich? Warum wird die UNESCO-Kommission, die mehr als 10 Jahre lang die Dekade begleitet hatte, mit einem „Berater-Posten“ abgespeist? Hat die Bundesregierung Angst, man könne die Deutungshoheit aus der Hand geben was BNE betrifft? Oder ist es die Angst vor Ansichten wie z.B. der von Prof. Dr. Stoltenberg von der Leuphana-Uni in Lüneburg, die sagte, BNE ist in aller Konsequenz in unseren Systemen nicht umzusetzen. Und dafür bekam sie spontanen Beifall aus dem Publikum.

Das „Subsidiaritätsprinzip“, das eigentlich allenthalben in unserem Lande besteht und besagt, dass überall da, wo die Zivilgesellschaft Aufgaben übernehmen kann, der Staat nur noch unterstützende Funktion hat, ist im BMBF offensichtlich unbekannt.
Wie mit einer dermaßen hierarchischen Struktur eine neue „Dynamik“ erzeugt werden soll, wird wohl zunächst das Geheimnis des BMBF bleiben.
10 Jahre Erfahrung mit der Dekade – auch auf internationalem Parkett – seitens der UNESCO-Kommission, die Erfahrungen von über 2.000 Dekadeprojekten – das alles wird vom BMBF vom Tisch gewischt.

Soll der Auftrag des Weltaktionsprogramms, die Jugend stärker in die Umsetzung einzubeziehen, ernstgenommen werden, muss er bereits in den Planungen von Gremien einer nationalen Umsetzung mitgedacht werden, erklärte Johannes Geibel, Vorstandsvorsitzender der studentischen Initiative „Netzwerk n“. Jugendvertreter wüchsen zwar in Gremien hinein, sagte er, aber auch wieder hinaus. Diese „strukturelle Benachteiligung der Jugend“ müsse gelöst werden. Wichtig sei außerdem, die Fähigkeiten Jugendlicher zu stärken, sich gegenseitig zu nachhaltigem Denken und Handeln zu befähigen. Die Jugend soll allerdings „nicht stärker einbezogen werden“: sie ist einer der fünf Schwerpunkte des WAP!

In der Zusammenschau taten sich am Ende der Veranstaltung mehr Fragen auf, als dass es verständliche Antworten gab. Eines ist jedenfalls sicher: bleibt das BMBF bei seiner Heransgehensweise, wird die „neue Dynamik“ auf sich warten lassen. Zumal im Juli spätestens der neue „Orientierungsrahmen Globale Entwicklung“ von der Kulturministerkonferenz verabschiedet werden wird, der die Schwerpunkte des WAP schon praktisch für die Umsetzung im schulischen Bereich aufgreift.

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