Die jungen Künstlerinnen aus Estelí (Nicaragua)

Lester Antonio Jirón Zeledón

Ich bin Lester. Ich lebe im Stadtteil Boris Vega seit meiner Geburt. Ich habe zwei Schwestern und einen Bruder und wir sind nur mit meiner Mutter aufgewachsen. Als ich 12 Jahre alt war, habe ich angefangen zu arbeiten, um meiner Mutter beim Unterhalt des Hauses zu helfen. Seit ich sehr klein war mag ich das Fußball-Spielen. 2001 entdeckte ich den Zirkus, durch eine Gruppe von KünstlerInnen, die in das Viertel gekommen waren, um den Kindern Zirkuskünste beizubringen. 2002 gründeten wir eine Gruppe für kleine Jungen, aber weil wir niemanden hatten, der uns weier asubilden konnte, konnten wir die Initiative nicht fortsetzen.

In 2005 half mir die Partnerschaft mit unserem Stadtteil, um in die „Escuela de la Comedia y el Mimo“ einzutreten. Zu Beginn waren es drei Monate, aber ich bin letztendlich bis 2012 geblieben. Während dieses Zeitraumes konnte ich die weiterführende Schule beenden und an der Universität anfangen. Ich konnte auch an zwei Touren nach Deutschland mit der KinderKulturKarawane teilnehmen.

Nach dieser Ausbildungsphase entschied ich mich, nach Estelí zurückzukehren und von Null anzufangen. Um das Situation des Viertels zu verbessern, kamen einige Freiwillige eines Zirkusprojektes aus Barcelona, die Workshops anboten. Sie hinterließen den Kindern und Jugendlichen des Viertels eine Kiste mit Zirkus – Materialien. Einige Jugendliche begannen sehr enthusiastisch, die Zirkus zu praktizieren. Somit gründeten wir gemeinsam „El Nido de las Artes“. Bis heute sind wir für und mit den Kindern im Viertel aktiv.

Jesnat Anali Moreno Blandón

Ich bin Anali und wohne seit meiner Geburt bei meinen Großeltern in Boris Vega. Ich bin im dritten Jahr der weiterführenden Schule und liebe Zeichnen und Fußball. Ansonsten nehme Judounterricht und bin Teil der Zirkusgruppe „Nido Jr.“.

Im Jahr 2012 sah ich das erste Mal eine Gruppe von Menschen in den Straßen, die Jonglage, Schlagzeug, Akrobatik, Clowns-Nummern und Einrad gemacht haben. Damit luden sie die jungen BewohnerInnen ein, an Zirkusworkshops des NIDO teilzunehmen. Meine Großmutter und ich waren sehr motiviert, zu den Workshops zu gehen und mich anzumelden. Seitdem habe ich mich in den Zirkus verliebt und habe angefangen, zu allen Workshops zu gehen, die sie hier durchführen.

Durch den Zirkus habe ich viele Werte und Disziplin erlernt. Außerdem hatte ich die Möglichkeit, das Land zu bereisen. Ich konnte Fähigkeiten mit Menschen aus dem Ausland teilen, die uns besucht haben und ein bisschen mehr von ihnen lernen.

Darwing Ramón Rizo Rivera

Ich bin Darwin und bin im Stadtteil Boris Vega aufgewachsen. Ich habe auf einer Finka meiner Familie und auf dem Markt in Estelí gearbeitet. Ich habe noch eine jüngere Schwester.
In meiner Freizeit habe ich viel Fußball geübt und gespielt, weil in unserem Viertel der Sport stark gefördert wird. Aber unser Viertel ist auch verwundbar, was Drogen und Gangs betrifft. Mit 14 Jahren begann ich, mich auf der Straße, mit Drogen und Gangs zu befassen – bis ich 19 Jahre alt war.

Im September des Jahres 2012 kam eine Gruppe von 30 Freiwilligen aus Barcelona, Spanien in unseren Stadtteil. Es ergab sich, dass von diesen 30 Freiwilligen fünf Künstler waren und sie waren hier, um Kunst zu fördern und Workshops zu geben. Zusammen mit einem Freund habe ich Kontakt zu diesen fünf jungen Menschen aufgebaut und wir haben begonnen,  tolle Erfahrunge miteinander zu teilen. Einen Tag bevor die Jugendlichen zurück in ihre Heimat gegangen sind, haben wir sie gebeten, Zirkusmaterialien dazulassen, damit wir damit anfangen konnten, in unserem Stadtteil zu arbeiten. Und so hat die ganze Initiative angefangen.

Einige Monate danach haben wir herausgefunden, dass unser Freund Lester, der Zirkus in Granada studiert hat, hier in unser Viertel kommen wird, in dem er geboren und aufgewachsen ist. Daraufhin haben wir uns abgestimmt und uns versammelt, um über die Initiative zu reden, die wir da hatten. Er wollte mit uns zu arbeiten und das war genau das, was wir in diesem Moment brauchten. Er kannte sich mit Projekten aus und konnte viel Wissen und Kontakte vorweisen, womit wir dann schneller vorankamen. Ich erinnere mich, dass er sagte, dass wir einen Namen für die Gruppe bräuchten und so entstand „El Nido de las Artes“. Von da an ist alles wie pure Magie, Familie, Liebe, Leidenschaft, Kunst, Leben, Teilen etc. gewesen.

Luis Carlos Ruiz Acuña

Ich bin Luis Acuña und ich wohne im Stadtteil Boris Vega. Ich habe zwei kleine und eine große Schwester und wir leben mit meiner Mutter und meinem Stiefvater. Bei meinem Großvater habe ich in einem Kiosk gearbeitet. Samstags spiele ich Fußball in meinem Viertel. Ich habe gerade mein letztes Jahr der Grundschule beendet und ich freue mich auf die weiterführende Schule.

Im Jahr 2012 habe ich begonnen, el Nido zu besuchen, weil es Spiele für Kinder gab. Im gleichen Jahr kam eine Gruppe von Freiwilligen aus Barcelona in unser Viertel, um Zirkus zu lehren und ich bin immer hingegangen. Es stellte sich heraus, dass diese Gruppe von Freiwilligen eine Gruppe von Jungen motiviert hatte, ein Zirkuskollektiv in unserem Viertel zu gründen. Diese Gruppe heißt „El Nido de las Artes“.

Die Jugendlichen des Nido de las Artes nahmen die Workshops wieder auf und ich besuchte sie weiterhin, wachsend und lernend. Im Laufe der Zeit integrierten sich mehr Kinder bis sich die Gruppe des Zirkus „Nido Jr.“ gebildet hat. Ich bin Teil dieser Gruppe, mit der wir gemeinsam gereist sind und einzigartige Momente geteilt haben.

Erling Omar Morán Gutiérrez

Ich bin Erling. Ich wohne in Estelí im Stadtteil Boris Vega mit meinen Eltern, zwei Schwestern und einem Bruder. Ich mochte schon immer den Hip Hop und ich wünschte mir, einige seiner künstlerischen Disziplinen zu verwirklichen (Break Dance, Graffiti, DJ, Rap). Bis 2010, als ich 14 Jahre alt war, habe ich mit einer Gruppe Break Dance geübt, die sich im Viertel formierte. Wir haben mit Tutorial-Videos gelernt.
Die Break Dance Gruppe bestand nur zwei Jahre lang. Meine Kollegen der Gruppe haben andere Wege eingeschlagen. Ich habe mit dem Tanzen fortgesetzt. Meine Übungen fanden in einem Gemeinschaftsraum statt, den wir mit einem Zirkuskollektiv teilten, das im Viertel entstanden ist. Ich habe dann bei denen mitgemacht, denn die Mitglieder des Kollektivs kannte ich mein ganzes Leben lang, inclusive dessen, was sie vor der Kunst gemacht haben.

Das Zirkuskollektiv ist „El Nido de las Artes“, in dem wir soziale Kunst machen, unser künstlerisches Lernen und Werte an die Kinder des Viertels weitergeben.

Jostin Isaías Gonzales Leiva

Ich bin Jostin und wohne im Stadtteil Boris Vega. Ich habe zwei kleine Geschwister. Im Alter von vier Jahren begann ich, eine Schule direkt in der Nähe meines Hauses zu besuchen. Dort gab es auch eine canchita zum Fußballspielen. Seit meiner Geburt wurde ich von meiner Pflegegroßmutter erzogen und unterstützt. Leider haben mich meine Eltern nie unterstützt.

Im Jahr 2015 lernete ich den Zirkus (El Nido) durch Cesar kennen. Er war derjenige, der mich dorthin mitnahm, damit ich mich bei den Workshops mitmachen konnte. Seit diesem Moment komme ich und verbringe mehr Zeit vor Ort. So begann ich, mehr Vertrauen aufbauen zu den anderen Kindern und den Lehrern. Jedes Mal fühlte ich mich besser und glücklicher.

Im Laufe der Jahre konnte ich tolle Momente mit den anderen im Zirkus teilen. Ich bin all den Menschen für die Unterstützung, die mir zuteil geworden ist, sehr dankbar, ganz besonders den Kumpels und Künstlern von „El Nido de los Artes“.

Kevin Stwart Martinez Arroliga

Ich bin Kevin und wohne im Viertel Boris Vega seit meiner Geburt. Seit ich 5 Jahre alt bin gehe ich zur Schule und jetzt bin ich in meinem dritten Jahr der weiterführenden Schule. Fußball ist eines meiner liebsten Hobbies.

Im Jahr 2013 habe ich durch meinen Vater die Räumlichkeiten des Zirkus „El Nido de las Artes“ kennengelernt, und habe dann an den Workshops regelmäßig teilgenommen. Ich hatte damit die Möglichkeit, zu reisen und mich mit anderen sozialen Projekten des Landes auszutauschen.

Ich bin sehr dankbar für das Zirkusprojekt „El Nido de las Artes“, weil ich durch das Projekt reisen, teilen, lernen und Freundschaften schließen konnte. Ich möchte auch meinen Kursleitern des Zirkus danken, weil sie wie große Geschwister für mich sind.