{"id":122,"date":"2011-04-08T11:08:00","date_gmt":"2011-04-08T10:08:00","guid":{"rendered":"http:\/\/powerofculture.info\/blog\/?p=122"},"modified":"2025-12-17T21:26:39","modified_gmt":"2025-12-17T20:26:39","slug":"juliano-wir-deine-kinder-wir-gehen-deinen-weg-weiter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kinderkulturkarawane.de\/blog\/?p=122","title":{"rendered":"Juliano, wir deine Kinder, wir gehen deinen Weg weiter!"},"content":{"rendered":"<p>Juliano Mer-Khamis wurde am 7.4.2011 im Kibbuz Ramot Menashe neben seiner Mutter nach bewegenden Abschiedsfeiern beigesetzt. Eine Welle der Betroffenheit, des Abscheus \u00fcber den feigen Mord und der Solidarit\u00e4t mit dem Projekt bewegt sich durch Pal\u00e4stina und Europa. In Deutschland haben alle gro\u00dfen Zeitungen \u00fcber den Mord berichtet. Theater, Freunde, Unterst\u00fctzer organisierten Traueranzeigen und Gedenkveranstaltungen in den n\u00e4chsten Tagen. Im Hintergrund steht bei allen: wie wird es mit dem FREEDOM THEATRE jetzt weitergehen? Wie k\u00f6nnen wir einen Beitrag zur Zukunft des Projektes beitragen?<br \/>\nDie Studenten der &#8222;Acting School&#8220; des &#8222;The Freedom Theatre&#8220; haben am Grab von Juliano Mer-Khamis einen Weg vorgegeben:<\/p>\n<p><em>\u201cJuliano, your mother\u2019s children have passed away, your mother Arna has passed away and so did you \u2013 but your children are going to stay, following your path on the way to the freedom battle, and we will go on with your revolution\u2019s promise, the Jasmine revolution.<br \/>\n\u201cThe Revolutionary message will not pass away. It will come storming the yellow sands and the mountains covered by almond trees, blowing the jasmine revolution out of the freedom fighter\u2019s hands, from here, from the Freedom Theatre\u2019s stage, where men were and are made to be free and engaged in the cultural revolutionary battle for Freedom.<br \/>\n\u201cIn thousands of silences only one violin is playing, and in thousands of silences only one voice is rising up, it\u2019s the freedom fighters\u2019 voices, to which you taught how to carry the cultural gun on their shoulders.\u201d<br \/>\nJuliano\u2019s Children<\/em><\/p>\n<p>Die Tournee des FREEDOM THEATRE im Herbst durch Deutschland und \u00d6sterreich wird weite vorbereitet, vielleicht wird sie wichtiger denn je. Tsafrir Cohen, Mitarbeiter von &#8222;medico international&#8220; hat diesen 7. April zwischen Jenin, Haifa und dem Kibbuz Ramot Menashe zusammengefasst:<\/p>\n<p><strong>Juliano Mer Khamis \u2013 Sein letzter Tag<\/strong><br \/>\nDer Abschied entsprach seinem Leben. Der letzte Weg des Juliano Mer Khamis machte die sichtbaren und unsichtbaren Grenzen zwischen Israelis und Pal\u00e4stinensern schmerzhaft bewusst, doch an jedem Ort, an dem sein Leichnam Station machte, konnten eben diese Grenzen, f\u00fcr einen kurzen Augenblick aufgehoben, ja gesprengt werden.<br \/>\nEs waren bedr\u00fcckende Momente, als sich am Vormittag Tausende vor dem Al Midan Theatre in der israelischen Hafenstadt Haifa versammelten. Julianos Stadt. Die Menschen str\u00f6men hinein ins Dunkle des B\u00fchnenraums, da ist der Sarg aufgebahrt, dann hinaus. Geblendet von der Fr\u00fchlingssonne bilden sie Menschentrauben. Es sind israelische Pal\u00e4stinenser &#8211; manche nennen sie israelische Araber -, j\u00fcdische Israelis und mehrere Dutzend Pal\u00e4stinenser aus der Westbank, die eine Sondergenehmigung f\u00fcr den Tag erhalten hatten. Gr\u00f6\u00dfen der Theater- und Filmbranche, Aktivisten, Nachbarn, die alte Garde der israelischen Kommunisten. Der einzigen Partei, die sich als Heimat beider V\u00f6lker verstanden hatte und sich dies zum zentralen Slogan machte. In dieser verschlafenen nordisraelischen Stadt gibt es manche Stra\u00dfen, in denen Juden und Pal\u00e4stinenser selbstverst\u00e4ndlicher miteinander leben als anderswo. Und jetzt, eine kurze Momentaufnahme, scheinen diese \u00fcberschaubaren Koexistenz-Kieze sich auf die zentrale Stra\u00dfe auszubreiten. Da hissen mehrere Aktivistinnen die pal\u00e4stinensische Fahne. Doch die Polizei greift nicht ein und k\u00fcmmert sich lediglich um den Verkehr, und die Teilnehmer wispern unbeeindruckt weiter auf Hebr\u00e4isch und auf Arabisch. Immer wieder brechen Menschen in Tr\u00e4nen aus, vor allem die Schauspielsch\u00fcler und die Mitarbeiter des Freedom Theatre Jenin wissen nicht wohin mit ihrer Trauer, in dieser fremden Stadt ihrer Besatzer, die sie gr\u00f6\u00dftenteils zum ersten Mal sehen. Als Jenny, die Witwe kommt, in Schwarz, ihr von blonden Haaren umrahmtes Gesicht kreidebleich, hochschwanger, beherrscht sich kaum noch jemand.<br \/>\nVon Haifa f\u00e4hrt ein Korso nach Jalame, dem ber\u00fcchtigten Checkpoint nahe Jenin, der Israel von den besetzten Gebieten trennt. Pal\u00e4stinenser aus der Westbank und Gaza erhalten kaum Genehmigungen Israel zu betreten, folglich k\u00f6nnen viele Wegbegleiter dem Begr\u00e4bnis nicht beiwohnen. Auf der anderen Seite k\u00f6nnen jetzt Freunde aus Jenin und der restlichen Westbank um seinen Leichnam trauern. Ein Sonderkorridor wird f\u00fcr den Sarg er\u00f6ffnet. Es sind israelischen Soldaten und Offiziere, nicht die gewohnten unversch\u00e4mten Kr\u00e4fte der privaten Sicherheitsfirmen, die uns empfangen. Mit Respekt. Wir k\u00f6nnen nicht mit auf die andere Seite, die Sicherheitsprozeduren w\u00e4ren zu umfangreich, wir k\u00e4mmen nicht rechtzeitig zur\u00fcck. Zu Hunderten stehen wir am Zaun, schauen auf die andere Seite, auf die Westbank. Das Gef\u00fchl der Ohnmacht steigt. Doch als der rote Leichenwagen Juliano und einige Begleiter auf die andere Seite bringt, gibt es stehende Ovationen. Juliano hat diese un\u00fcberwindbare Grenze \u00fcberschritten.<br \/>\nDer rote Leichenwagen kommt zur\u00fcck, und wir fahren weiter zum Kibbuz Ramot Menashe. Dort ist Arna, Julianos Mutter und Gr\u00fcnderin des Freedom Theatre begraben. Eine Grenzg\u00e4ngerin, J\u00fcdin und Kommunistin, verheiratet mit einem Pal\u00e4stinenser. Da gab es kaum einen Friedhof, der sie aufgenommen h\u00e4tte. Ein idyllischer Ort, besonders jetzt, w\u00e4hrend des kurzen Fr\u00fchlings. Wildmohn, Margariten, Narzissen, sattes Gr\u00fcn der Wiesen wechselt sich ab mit bl\u00fchendem Mischwald. Hier wird Juliano zu Grabe getragen. Es ist sp\u00e4t am Nachmittag, und die Menschen sind gefasst. Kaum einer bricht noch laut in Tr\u00e4nen aus. Es soll eine richtige Feier sein, keine Trauerfeier, wir sollen klatschen wie nach einem gegl\u00fcckten Theaterabend. Die Reden werden in Arabisch, dann Hebr\u00e4isch gehalten. Ein j\u00fcdischer Aktivist und Holocaust\u00fcberlebender spricht, ein pal\u00e4stinensischer Theatermacher, ein israelischer Filmemacher, ein pal\u00e4stinensischer Widerstandsk\u00e4mpfer bzw. Ex-Terrorist. Es klingt selbstverst\u00e4ndlich, eine \u00dcbersetzung ist irgendwie nicht n\u00f6tig. Es war ein pal\u00e4stinensisches Ereignis, und es war ein j\u00fcdisch-israelisches Ereignis. Und beide Elemente gingen ineinander \u00fcber, und es war ein Moment selbstverst\u00e4ndlichen Zusammenseins. Es wurde Abend, und wir gingen auseinander, jeder an seinen Ort.<\/p>\n<p>Siehe auch &#8222;<a title=\"&quot;100 Prozente Juliano&quot;\" href=\"http:\/\/de.qantara.de\/webcom\/show_article.php\/_c-469\/_nr-1341\/i.html\" target=\"_blank\">100 Prozente Juliano<\/a>&#8220; auf &#8222;Quantara.de&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Juliano Mer-Khamis wurde am 7.4.2011 im Kibbuz Ramot Menashe neben seiner Mutter nach bewegenden Abschiedsfeiern beigesetzt. Eine Welle der Betroffenheit, des Abscheus \u00fcber den feigen Mord und der Solidarit\u00e4t mit dem Projekt bewegt sich durch Pal\u00e4stina und Europa. 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