{"id":1379,"date":"2012-08-14T11:40:12","date_gmt":"2012-08-14T11:40:12","guid":{"rendered":"http:\/\/kkkarchiv.strengthen-creative-cooperation.eu\/?p=1379"},"modified":"2022-10-18T07:28:19","modified_gmt":"2022-10-18T07:28:19","slug":"new-light","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kinderkulturkarawane.de\/archiv\/?p=1379","title":{"rendered":"New Light"},"content":{"rendered":"<p>Kalighat \u2013 ein Slumgebiet im S\u00fcden der 15-Millionen-Metropole Kolkata. Die engen und verwinkelten Gassen rund um den Kalighat-Tempel, eine der wichtigsten St\u00e4tten des Hinduismus, bilden das \u00e4lteste Rotlichtviertel der Stadt. Mehr als 1.000 Frauen leben hier von der Prostitution. Die grausame Realit\u00e4t ihres Lebens ist nur schwer vorstellbar: Ihr \u201eZuhause\u201c ist kaum mehr als ein Verschlag, bestehend aus einem Raum, der gerade genug Platz f\u00fcr ein Bett und eine Kochstelle bietet. Eine kleine Metallkiste fasst die wenigen Dinge, die ihnen geh\u00f6ren. In ihren dunklen und winzigen Zimmern empfangen die Frauen auch die M\u00e4nner, die jeden Tag zu Tausenden auf der Suche nach billigem Sex nach Kalighat kommen. Bis zu zehn Freier pro Tag m\u00fcssen sie empfangen, und es gibt keine R\u00fcckzugsm\u00f6glichkeit, um die entw\u00fcrdigende Erfahrung, von M\u00e4nnern zur sexuellen Befriedigung gekauft und benutzt zu werden, zu vergessen.<\/p>\n<p>Doch die meisten Frauen leben nicht alleine, denn viele von ihnen haben Kinder. Kinder, die ihre V\u00e4ter nicht kennen und die nie gelernt haben, wie ein Leben au\u00dferhalb des Rotlichtviertels aussieht. Sie<br \/>\nerleben den Alltag ihrer M\u00fctter hautnah mit, wenn sie sich zum Beispiel unter dem Bett verstecken m\u00fcssen, w\u00e4hrend ihre Mutter die ganze Nacht hindurch Freier empf\u00e4ngt \u2013 Tag f\u00fcr Tag, immer und immer<br \/>\nwieder. Zwar gibt es in Kalighat keine Bordelle, in denen die Frauen eingesperrt und zur Prostitution gezwungen werden. Doch keine von ihnen hat freiwillig gew\u00e4hlt, ihren K\u00f6rper zu verkaufen. Es sind immer<br \/>\nwieder \u00e4hnliche Schicksale: Viele wurden noch als Kinder oder Jugendliche mit viel \u00e4lteren M\u00e4nnern verheiratet und landeten auf der Flucht vor h\u00e4uslicher Gewalt im Sexgesch\u00e4ft. Andere wurden Opfer von<br \/>\nMenschenh\u00e4ndlern und kamen, nachdem sie aus den Bordellen freigelassen wurden, nach Kalighat \u2013 gebrochen und gezeichnet von Jahren der Ausbeutung. Sie sind ohne jegliche Perspektive und haben weder genug Hoffnung und Kraft, noch die M\u00f6glichkeiten ihren Kindern ein anderes Leben jenseits des Teufelskreises aus Armut, Ausbeutung und Gewalt, zu erm\u00f6glichen. Zwangsl\u00e4ufig sind ihre T\u00f6chter gef\u00e4hrdet, selbst in der Prostitution zu landen. Sobald sie \u00e4lter sind, werden Freier und Zuh\u00e4lter immer zudringlicher. Mehr als 90 Prozent der M\u00e4dchen beginnen aktuellen Studien zufolge ebenfalls mit der Prostitution und erhalten damit nie die Chance auf ein selbstbestimmtes und unabh\u00e4ngiges Leben, das<br \/>\nschon ihren M\u00fcttern verwehrt wurde.<\/p>\n<p>\u201eDiese Kinder haben eine bessere Zukunft verdient!\u201c, so Urmi Basu, Gr\u00fcnderin und Leiterin von New Light,<br \/>\ndie es sich zur Aufgabe gemacht hat, den M\u00e4dchen und Jungen ein St\u00fcck ihrer Kindheit wiederzugeben und ihnen neue Perspektiven f\u00fcr ein besseres Leben zu er\u00f6ffnen. Schon seit 2000 betreibt New Light dazu eine Kindertages- und -nachtst\u00e4tte mitten in Kalighat. Hier haben die Kinder eine Anlaufstelle, wo sie betreut werden, etwas zu essen bekommen und mit anderen Kindern spielen k\u00f6nnen. New Light k\u00fcmmert sich ferner darum, dass sie eine Schule besuchen, was bei weitem keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit in Kalighat ist. Doch um den besonders gef\u00e4hrdeten jungen M\u00e4dchen helfen zu k\u00f6nnen, muss noch mehr getan werden. Oft sind sie gerade 12 oder 13 Jahre alt, wenn Freier und Zuh\u00e4lter sie immer mehr dr\u00e4ngen, ebenfalls mit der Prostitution zu beginnen. \u201eWir m\u00fcssen diese M\u00e4dchen dringend sch\u00fctzen!\u201c, so Urmi Basu. Hierzu betreibt New Light seit 2005 Soma Memorial Girls Home, ein Wohnheim au\u00dferhalb des Rotlichtviertels, wo die M\u00e4dchen ein sicheres Zuhause finden und sich in einer Atmosph\u00e4re der Geborgenheit auf die Schule konzentrieren k\u00f6nnen.<br \/>\nZurzeit leben 16 M\u00e4dchen im Soma Memorial Girls Home und New Light sieht sich neuen Herausforderungen gegen\u00fcber. \u201eEs gibt so viele M\u00e4dchen, die wir eigentlich sofort aufnehmen m\u00fcssten\u201c, berichtet Urmi Basu, \u201edenn sonst sind sie vielleicht morgen verschwunden, und wir haben die Chance verpasst, sie vor einem schrecklichen Leben in der Prostitution zu bewahren.\u201c Gleichzeitig legt sie gro\u00dfen Wert darauf, die Zukunft der M\u00e4dchen, die bereits im Soma Memorial Girls Home leben, langfristig zu sichern. \u201eEs reicht nicht\u201c, berichtet sie, \u201edass wir die M\u00e4dchen f\u00fcr einige Jahre aufnehmen, sie m\u00fcssen lernen, ein eigenst\u00e4ndiges und unabh\u00e4ngiges Leben zu f\u00fchren.\u201c<br \/>\nUm dieses wichtige Ziel zu erreichen, hat New Light ein faszinierendes Projekt entwickelt: \u00c4ltere M\u00e4dchen sollen nach ihrem Schulabschluss das Soma Memorial Girls Home m\u00f6glichst bald verlassen, um in Kleingruppen von acht M\u00e4dchen zusammen mit einer Hausmutter und betreut von Sozialarbeitern von New Light in eigenen Wohnungen zu leben. So sollen sie lernen, ihren Alltag gemeinsam zu gestalten und zu organisieren, w\u00e4hrend sie gleichzeitig die Gelegenheit erhalten, eine Ausbildung zu machen oder zu studieren. Mit diesem Projekt wird die Zukunft der \u00e4lteren M\u00e4dchen langfristig gesichert und gleichzeitig kann New Light mehr j\u00fcngere M\u00e4dchen in das Soma Memorial Girls Home aufnehmen.<br \/>\n\u201eEs ist f\u00fcr Sie vielleicht manchmal schwer vorstellbar, welch einen Unterschied Ihre Hilfe f\u00fcr die Menschen hier ausmacht\u201c, so Urmi Basu, \u201eAber f\u00fcr viele der Kinder und Frauen bedeutet sie ein neues Leben.\u201c<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.kinderkulturkarawane.de\/2008\/New_Light\/frame_new_light.htm\">Weitere Informationen<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.newlightindia.org\/AboutNewLight.html\">Website des Projekts<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kalighat \u2013 ein Slumgebiet im S\u00fcden der 15-Millionen-Metropole Kolkata. Die engen und verwinkelten Gassen rund um den Kalighat-Tempel, eine der wichtigsten St\u00e4tten des Hinduismus, bilden das \u00e4lteste Rotlichtviertel der Stadt. Mehr als 1.000 Frauen leben hier von der Prostitution. 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