{"id":1360,"date":"2012-08-14T10:53:28","date_gmt":"2012-08-14T10:53:28","guid":{"rendered":"http:\/\/kkkarchiv.strengthen-creative-cooperation.eu\/?p=1360"},"modified":"2022-10-18T07:28:19","modified_gmt":"2022-10-18T07:28:19","slug":"mututo-chaud","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kinderkulturkarawane.de\/archiv\/?p=1360","title":{"rendered":"Mututo Chaud"},"content":{"rendered":"<p><strong>Kunst als Perspektive f\u00fcr Stra\u00dfenkinder in Lubumbashi<br \/>\n<\/strong>Sommer 2003. In der kongolesischen Stadt Lubumbashi wird der \u00d6ffentlichkeit eine zweieinhalbst\u00fcndige Performance aus Gesang, Musik, Tanz und Theater pr\u00e4sentiert. Initiator ist Mutoto e.V., ein gemeinn\u00fctziger Verein aus M\u00fcnster. Das Wort \u201eMutoto\u201c ist Suaheli und bedeutet \u201eKind\u201c.<\/p>\n<p>Mutoto e.V. unterst\u00fctzt seit Jahren soziale Projekte f\u00fcr Kinder in Lubumbashi. Dieses Mal sind im Auftrag des Vereins sechs M\u00fcnsteraner K\u00fcnstler nach Lubumbashi gereist. Zusammen mit K\u00fcnstlern und P\u00e4dagogen vor Ort haben sie ein Theaterprojekt mit Kindern und Jugendlichen durchgef\u00fchrt. Das Besondere an diesem Projekt: viele der Kinder, die teilnahmen, haben fr\u00fcher auf der Stra\u00dfe gelebt.<br \/>\nDas umgangssprachliche Wort f\u00fcr Stra\u00dfenkinder ist im Kongo \u201eVakkabo\u201c, angelehnt an das franz\u00f6sische \u201evagabond\u201c. Die Situation von Stra\u00dfenkindern ist in der Demokratischen Republik Kongo ein akutes Problem. Das Theaterprojekt hat den mitwirkenden Kindern Gelegenheit gegeben, ihre eigenen Erfahrungen und Erlebnisse als Stra\u00dfenkinder darzustellen.<\/p>\n<p>Die Idee zu dem Projekt entstand auf einer Reise, die Richard Nawezi, Vorsitzender von Mutoto e.V., vor einigen Jahren in den Kongo unternahm. Richard Nawezi, der selbst geb\u00fcrtig aus Lubumbashi stammt und in M\u00fcnster als Theaterregisseur arbeitet, lernte auf dieser Reise den kongolesischen K\u00fcnstler Kasongo kennen. &#8222;Wir haben zusammen Musik gemacht. Und dabei gab es immer Kinder, die mitgemacht haben. Und da habe ich mir gesagt, das w\u00e4re auch eine Perspektive f\u00fcr andere Kinder, die auf der Stra\u00dfe sind: Sich durch Theater auszudr\u00fccken.\u201c, beschreibt Richard Nawezi den eigentlichen Beginn des Projektes.<\/p>\n<p>Bis dahin hatte sich Mutoto e.V. in Lubumbashi vor allem bei sozialen Projekten engagiert, zum Beispiel bei Schulprojekten zum Thema Solartechnik oder bei Ma\u00dfnahmen zur medizinischen Versorgung. Der Verein unterst\u00fctzt auch Einrichtungen f\u00fcr Stra\u00dfenkinder, wie die Anlaufstelle der Organisation \u201eHuman Dignity in the World\u201c, die t\u00e4glich kostenlose Mahlzeiten austeilt.<br \/>\nSeit ein paar Jahren f\u00f6rdert Mutoto e.V. auch das Kinderheim Bumi, in dem \u00fcber hundert Kinder leben, darunter Fl\u00fcchtlingskinder oder Kinder, die von ihren Familien ausgesetzt oder vertrieben worden sind. Viele der Kinder, die in Bumi ein neues Zuhause gefunden haben, sind auf der Stra\u00dfe aufgelesen worden, wie z.B. der 10j\u00e4hrige Cherubin: &#8222;Mamma Therese hat mich und meine Schwester hergeholt. Mein Vater war politisch aktiv und wurde umgebracht. Mamma Therese hat uns gefunden und hierher gebracht.\u201c<\/p>\n<p>Die Kinder von Bumi standen im Mittelpunkt des Theaterprojekts. Anders als bei den sozialen Hilfsma\u00dfnahmen von Mutoto hatten sie hier die M\u00f6glichkeit, ihre kreativen F\u00e4higkeiten auszuprobieren und ihre Erfahrungen als Stra\u00dfenkinder auszudr\u00fccken. Sie brauchten sich auch nicht l\u00e4nger als Empf\u00e4nger von Almosen zu empfinden. Richard Nawezi: \u201eDie Kinder sind nicht mehr diese armen Kinder, die man immer auf diesen Fotos sieht. Es sind Kinder mit Leben, Kinder, die was machen wollen.\u201c<\/p>\n<p>Das Projekt startete im Juli 2003. Drei Wochen lang arbeiteten die K\u00fcnstler aus M\u00fcnster und Lubumbashi mit den Kindern und Jugendlichen. Der Tag begann mit einer Aufw\u00e4rm\u00fcbung, dem afrikanischen Tanz \u201eBrakka\u201c. Unter Anleitung einer Erzieherin hatten die Kinder in den Monaten vorher schon Ideen f\u00fcr ein Theaterst\u00fcck entwickelt. An diesem St\u00fcck probten sie jetzt unter der Regie der K\u00fcnstler aus M\u00fcnster weiter.<\/p>\n<p>Das St\u00fcck handelt von einem Kinderschicksal, das in St\u00e4dten wie Lubumbashi immer h\u00e4ufiger anzutreffen ist. Eine Familie leidet unter gro\u00dfen Geldproblemen, die Spannungen wachsen immer mehr, besonders als der Vater arbeitslos wird. Die Eltern bezichtigen die Kinder der Hexerei und geben ihnen die Schuld an allen Problemen. Schlie\u00dflich werden die Kinder davongejagt und landen auf der Stra\u00dfe.<br \/>\n&#8222;Durch die \u00f6ffentliche Pr\u00e4sentation des St\u00fccks blieben die Kinder, die von diesem Schicksal betroffen sind, nicht mehr l\u00e4nger anonym&#8220;, so Barbara Kemmler vom Jugend-Theater Cactus aus M\u00fcnster, &#8222;sondern die Kinder, die als Plage auch zum Teil bezeichnet werden, bekamen ein Gesicht, und haben damit vielleicht auch anderen Stra\u00dfenkindern geholfen, die pl\u00f6tzlich auch mal, einen Moment wenigstens, anders angeguckt werden: Als ein Kind mit Geschichte, mit einem Hintergrund: Das Kind, das rausgeschmissen wird aus der Familie, obwohl es kaum oder nur schwer alleine \u00fcberleben kann.\u201c<\/p>\n<p>Zu dem Theaterprojekt geh\u00f6ren auch andere musische Formen. Parallel zu den Theaterproben f\u00fchrten andere K\u00fcnstler mit den Kindern aus Bumi eine Musikwerkstatt durch. Die K\u00fcnstler aus M\u00fcnster hatten Fl\u00f6ten mitgebracht und brachten den Kindern das Fl\u00f6tenspiel bei. F\u00fcr viele der Kinder waren es die ersten Erfahrungen mit dem Instrument. W\u00e4hrend des t\u00e4glichen Unterrichts wurden ihnen auch grundlegende Noten-Kenntnisse vermittelt. Die Fortschritte, die manche der Kinder in kurzer Zeit machten, waren bemerkenswert: \u201eDas kam letztendlich daher, dass die derart begierig waren, zu lernen, dass die sich mit ihrer ganzen Leidenschaft da rein geschmissen haben, und nicht mehr aufh\u00f6ren wollten.\u201c<br \/>\nEinige der Kinder aus dem Fl\u00f6tenprojekt, von allen die \u201eV\u00f6gelchen\u201c genannt, wurden eingesetzt, um auf theatralische Weise einen akustischen \u00dcbergang zwischen den auftretenden Gruppen zu schaffen. Andere Kinder lernten, mit der Fl\u00f6te ein Gesangsst\u00fcck zu begleiten. In einer Gruppe, die traditionelle kongolesische Lieder einstudierte, wurden auch die Kleinsten aus Bumi einbezogen. Insgesamt wirkten 90 Kinder an dem Projekt mit.<\/p>\n<p>Mutoto e.V. konnte auch K\u00fcnstler aus Lubumbashi f\u00fcr das Projekt gewinnen, darunter Kasongo und seine Akrobatikgruppe \u201eBalet Bana Mampala\u201c. Die Artisten sind in Lubumbashi sehr bekannt. Ihre Kunstfertigkeit wirkt manchmal gerade zu schwindelerregend. Manche Leute munkeln sogar, bei ihren artistischen Nummern sei Magie mit im Spiel. Das \u201eBalet Bana Mampala\u201c steuerte nicht nur akrobatische Nummern bei. Auf Wunsch von Mutoto e.V. hatte die Artistengruppe f\u00fcr das Projekt ein eigenes St\u00fcck zum Thema Stra\u00dfenkinder entwickelt. Es ist die Geschichte des Jungen Izobada und seiner Freunde und wie sie auf den Stra\u00dfen der St\u00e4dte zu \u00fcberleben versuchen.<\/p>\n<p>Zu den kongolesischen K\u00fcnstlern, die das Theaterprojekt unterst\u00fctzten, geh\u00f6rte auch die A-Capella Gruppe \u201eBest Musica\u201c. Die vier blinden S\u00e4nger der Gruppe sind in einem Blindenheim aufgewachsen, das Mutoto e.V. seit einigen Jahren f\u00f6rdert.<br \/>\nDie Premiere des Projektes fand im Theatersaal der Eisenbahnverwaltung von Lubumbashi statt. Urspr\u00fcnglich hatte Mutoto e.V. nur eine Auff\u00fchrung geplant. Doch es kam ganz anders.<\/p>\n<p>Der Premiere folgte zwei Tage sp\u00e4ter ein Auftritt unter freiem Himmel in Katuba, einem der \u00e4rmsten Viertel von Lubumbashi. Hier erreichte das Projekt vor allem viele Stra\u00dfenkinder. Am gleichen Abend trat die Mutoto-Show, wie sie inzwischen \u00fcberall hie\u00df, im Luxus-Hotel Karavia auf. Im starken Kontrast zum Armenviertel Katuba pr\u00e4sentierten sich die Kinder hier den reicheren Schichten der Stadt.<\/p>\n<p>&#8222;Durch das Projekt hat Mutoto e.V. eine Menge erreicht&#8220;, so Barbara Kemmler, &#8222;z.B. dass die Kinder mit ihren Themen im Mittelpunkt standen. Das hei\u00dft, dass das, was sie bewegt, was ihnen das Leben schwer macht, war Thema in der Stadt. Nicht nur durch die drei Auff\u00fchrungen an den unterschiedlichen Orten, sondern auch durch Presse, Fernsehen, Radio, u.s.w., es haben viele Zuschauer zugeguckt. Das n\u00e4chste, was wir erreicht haben, ist dass die Kinder gemerkt haben , wie wichtig und wertvoll sie sein k\u00f6nnen. Also, sie haben ein Gef\u00fchl f\u00fcr ihre W\u00fcrde bekommen und haben das auch zur\u00fcckgegeben. Viele Kinder haben verborgene Talente entdeckt, also es gab wirklich ausgesprochen musische Talente in der Gruppe, sowohl schauspielerisch als auch musikalisch, und vielleicht eine Perspektive, eine Berufsperspektive.\u201c<\/p>\n<p>Kunst kann den Stra\u00dfenkindern in Lubumbashi auf vielf\u00e4ltige Weise Perspektiven er\u00f6ffnen. Deswegen will Mutoto e.V. die theaterp\u00e4dagogische Arbeit dort weiterf\u00fchren. Zur Zeit plant der Verein, mit Hilfe von Spendenmitteln ein eigens Kinderzentrum mit kulturellem Schwerpunkt in Lubumbashi aufzubauen. Die ersten Schritte sind schon getan.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.kinderkulturkarawane.de\/2007\/mutoto\/mutotoframe.htm\">Weitere Informationen<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.mutoto.de\/index.php\">Website des Projekts<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kunst als Perspektive f\u00fcr Stra\u00dfenkinder in Lubumbashi Sommer 2003. In der kongolesischen Stadt Lubumbashi wird der \u00d6ffentlichkeit eine zweieinhalbst\u00fcndige Performance aus Gesang, Musik, Tanz und Theater pr\u00e4sentiert. Initiator ist Mutoto e.V., ein gemeinn\u00fctziger Verein aus M\u00fcnster. 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