{"id":1358,"date":"2012-08-14T10:51:57","date_gmt":"2012-08-14T10:51:57","guid":{"rendered":"http:\/\/kkkarchiv.strengthen-creative-cooperation.eu\/?p=1358"},"modified":"2022-10-18T07:28:19","modified_gmt":"2022-10-18T07:28:19","slug":"escuela-de-la-comedia-y-del-mimo","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kinderkulturkarawane.de\/archiv\/?p=1358","title":{"rendered":"Escuela de la Comedia y del Mimo"},"content":{"rendered":"<p>Ausgangslage<br \/>\nIn den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts stand Nicaragua im Brennpunkte der internationalen Politik. Der Sturz der Somoza Diktatur 1979 und die 10 Jahre w\u00e4hrende Regierung der Sandinisten stellten Nicaragua ins Rampenlicht der \u00d6ffentlichkeit. Seither ist es ruhig geworden um dieses Land, und die sp\u00e4rlichen Meldungen berichten meist \u00fcber wenig erfreuliche Ereignisse. Hurricanes, Erdbeben und Vulkanausbr\u00fcche plagen das Land und richten grossen Schaden an. Tatsache ist, dass Nicaragua heute mit seinen rund 5,4 Millionen Einwohner eins der \u00e4rmsten L\u00e4nder der Welt ist. Besonders stossend dabei ist die ungleiche Einkommensverteilung. W\u00e4hrend eine kleine Elite \u00fcber unermessliche Reicht\u00fcmer verf\u00fcgt, leben \u00fcber 50% der Menschen unter der Armutsgrenze.<\/p>\n<p>Die Folgen der grassierenden Armut sind f\u00fcr die Kinder besonders schwerwiegend. Oft muss sich eine Familie von sechs bis hin zu f\u00fcnfzehn Personen ein kleines Haus teilen. Die Perspektiven f\u00fcr die betroffenen Kinder sind sehr schlecht. Nur wenige von ihnen haben \u00fcberhaupt die M\u00f6glichkeit jemals eine Schule zu besuchen, da die Grossfamilien zumeist nicht die finanziellen Mittel aufbringen k\u00f6nnen, um die Kinder einzuschulen und ihnen Lehrmittel und Uniformen zu kaufen. Zudem ist die Effizienz und Qualit\u00e4t der \u00f6ffentlichen Schulen miserabel. Lediglich 29% aller Kinder absolvieren die obligatorischen sechs Schuljahre und die durchschnittliche Dauer, um diese sechs Jahre zu absolvieren, betr\u00e4gt 10,3 Jahre!<\/p>\n<p>Viele Kinder sind deshalb gezwungen, schon fr\u00fch ein Einkommen zu erzielen. Wenn sie nicht genug Geld verdienen, werden sie h\u00e4ufig geschlagen und\/oder auf die Strasse zur\u00fcckgeschickt. F\u00fcr diese Kinder ist es Realit\u00e4t, f\u00fcr das t\u00e4gliche \u00dcberleben zu k\u00e4mpfen. Das Fehlen von sozialen und pers\u00f6nlichen Perspektiven tr\u00e4gt zur Misere bei. Sie bleiben im Sumpf von Drogen, Gewalt und Verbrechen gefangen und haben kaum Zugang zu Bildung, Sport, Kunst, geschweige denn zu professionellen Ausbildungsm\u00f6glichkeiten. Staatliche Programme sind rar und private Initiativen beschr\u00e4nkt. Alternative Programme sind daher umso notwendiger.<\/p>\n<p>Um diesen tristen Verh\u00e4ltnissen etwas entgegenzusetzen und den Kindern eine Zukunft zu erm\u00f6glichen, wurde die Escuela de la Comedia y el Mimo gegr\u00fcndet. Es ist die erste Clown- und Mimikschule dieser Art in ganz Zentralamerika, die den Bed\u00fcrfnissen vor Ort in h\u00f6chstem Grade entspricht.<\/p>\n<p>Entstehungsgeschichte der Escuela de la Comedia y el Mimo<br \/>\nLanciert wurde das Projekt 2001 von Diego Gene, einem Clown aus Venezuela, der sich nach verschiedenen Stationen in Europa und Lateinamerika in Granada niederliess. Granada ist mit rund 120\u2019000 Einwohnern die viertgr\u00f6sste Stadt Nicaraguas. Sie liegt am Westufer des Nicaraguasees, am Fusse des 1345 m hohen erloschenen Vulkans Mombacho. Diego mietete ein Haus in dem Aussenquartier \u201eBarrio San Bartolom\u00e9\u201c, wo es ihm gelang, mit rund 20 Kindern und Jugendlichen aus armen Familien sein Projekt zu starten.<\/p>\n<p>Was in den mittlerweile drei Jahren seit Projektstart erreicht wurde, ist beeindruckend. Heute werden mehr als 60 M\u00e4dchen und Jungen in den Armensiedlungen von Granada und Umgebung ausgebildet. Was dort als Idee, als Traum begann, wird bereits auf Stelzen und Einrad in die Nachbarl\u00e4nder getragen. So wurden drei Zirkustrainingslager in San Isidro de El General, Costa Rica, durchgef\u00fchrt. Seit ein 26-j\u00e4hriger Mercedes-Benz-Kleinbus zur Verf\u00fcgung steht, tourt eine Truppe der School of Comedy and Mime sogar in ganz Zentralamerika herum. Insgesamt fanden bislang 147 Pr\u00e4sentationen f\u00fcr mehr als 30.000 Menschen in St\u00e4dten, D\u00f6rfern und entlegenen Siedlungen statt. Die Vorf\u00fchrungen haben die jungen Menschen ungemein gef\u00f6rdert. Die meisten von ihnen reisten nie weiter als ein paar Kilometer von ihrem Heim entfernt. Inzwischen haben sie mehr Verst\u00e4ndnis und eine gr\u00f6ssere Wertsch\u00e4tzung f\u00fcr die Welt. Auch hatten sie viel Freude an den Pr\u00e4sentationen und haben inzwischen ein gr\u00f6sseres Wissen vom Theater als Kunst.<\/p>\n<p>Der Einfluss der Truppe in den Gemeinden ist gewaltig. Die Besucher waren und sind sehr beeindruckt von der Professionalit\u00e4t und den Botschaften der Pr\u00e4sentationen. Dies umso mehr, da die K\u00fcnstler aus niedrigen sozialen Verh\u00e4ltnissen stammen. Die Besucher realisierten, dass die jungen K\u00fcnstler positive Schritte in ihrer Entwicklung gemacht haben, die ihr Leben und das ihrer Familien radikal ver\u00e4nderten.<\/p>\n<p>Auf Einladungen von Diego Gene hin fanden auch etliche Artisten aus Europa den Weg nach Granada, um mit gutem Willen und ohne Bezahlung Akrobatik-, Jonglage- und Schauspielunterricht zu geben. Daneben macht es die wechselnde Mitarbeit von bislang \u00fcber 40 meist amerikanischen und europ\u00e4ischen Freiwilligen und Studenten m\u00f6glich, den Kindern ein kreatives, umfassendes Ausbildungsprogramm zu bieten.<\/p>\n<p><strong>Projektziele<\/strong><\/p>\n<p>Den Kindern und Jugendlichen aus Granada eine formale Schulbildung sowie eine Ausbildung in Theater- und Zirkusk\u00fcnsten zu erm\u00f6glichen, ist das Hauptanliegen dieses Projekts. Nachdem in den ersten drei Jahren das Projekt mit einem minimalen Budget erfolgreich angelaufen ist, wird f\u00fcr eine weitere dreij\u00e4hrige Periode (2004-2006) eine Konsolidierung der Escuela de la Comedia y el Mimo angestrebt. Konkret sollen in den n\u00e4chsten drei Jahren die folgenden drei Programmziele erreicht werden:<\/p>\n<ul>\n<li>Ausbildung von zun\u00e4chst 100 Kindern und Jugendlichen durch qualifizierte Lehrkr\u00e4fte. Diese Ausbildung soll ihnen sp\u00e4ter ein Einkommen erm\u00f6glichen.<\/li>\n<li>Bau einer Schule, die selbsttragend ist und als Modell f\u00fcr andere Programme dieser Art dient.<\/li>\n<li>Schaffung eines sozialen und \u00f6kologischen Bewusstseins.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Erl\u00e4uterungen zu den Zielen<\/strong><br \/>\n<span style=\"text-decoration: underline;\">Ausbildung und Arbeitsm\u00f6glichkeiten<\/span><br \/>\nDer Lehrplan der Schule ist multidisziplin\u00e4r und umfasst neben einer artistischen (Theater, Mimik, Akrobatik, Tanz und Puppenspiel) auch eine formale Ausbildung (Englisch, Lesen, Informatik, Marketing und Buchhaltung). Diese umfassende Ausbildung soll den Kindern und Jugendlichen erm\u00f6glichen, sp\u00e4ter als Artisten und Animateure im kulturellen Bereich und im Unterhaltungssektor ein Einkommen zu generieren.<\/p>\n<p>Der Unterricht findet zurzeit in einem Haus statt, das nur sehr beschr\u00e4nkt Raum und Platz bietet. Damit auch weitere Kinder und Jugendliche vom Projekt profitieren k\u00f6nnen, strebt Diego Gene den Bau einer offiziellen Zirkusschule. an Es bestehen konkrete Pl\u00e4ne f\u00fcr ein richtiges Schulgeb\u00e4ude mit Klassenzimmern, Prober\u00e4umen, B\u00fchne, B\u00fcro, Privatr\u00e4umen usw. Zu diesem Zweck erhielt Gene ein Grundst\u00fcck von \u00fcber 2000 Quadratmetern geschenkt.<\/p>\n<p>Da die Kinder und Jugendlichen eine professionelle Ausbildung erhalten und bei ihrem Einstieg ins Berufsleben begleitet werden, haben sie \u00fcberaus gute Chancen, sp\u00e4ter ihren Lebensunterhalt selber zu verdienen. Zudem ist der Unterhaltungssektor in Nicaragua bislang kaum entwickelt. F\u00fcr die Familien gibt es nur wenige M\u00f6glichkeiten in ihrer Freizeit Zugang zu Unterhaltung und Kunst zu erlangen. Es besteht eine grosse Nachfrage an qualifizierten und professionellen K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstlern. Dies gilt besonders f\u00fcr die Hauptstadt Managua, wo rund ein Viertel der Bev\u00f6lkerung des Landes lebt.<\/p>\n<p>Pers\u00f6nliche und gesellschaftliche Entwicklung<br \/>\nLachen und Vergn\u00fcgen, ein bedeutender Aspekt des Trainings, ist ein Heilmittel f\u00fcr soziale Probleme wie Stress, Depression und Verzweiflung. Dieser nichtkonventionelle Aspekt des Programms ist in einem Land wie Nicaragua, mit dessen von B\u00fcrgerkrieg, Erdbeben und Hurricanes geplagten Bev\u00f6lkerung, nicht zu untersch\u00e4tzen. Im Rahmen dieses Projektes werden die Kinder und Jugendlichen nicht nur in Unterhaltungsk\u00fcnsten ausgebildet, sondern sie bringen mit ihren Vorf\u00fchrungen und Workshops Freude, Lachen und Vergn\u00fcgen in die oft d\u00fcsteren Aussenquartiere.&gt;<\/p>\n<p>Die Schaffung eines sozialen und \u00f6kologischen Bewusstseinsist ein weiteres Anliegen des Projektes. Umweltschutz, respektive ein Bewusstsein f\u00fcr die Umwelt, ist in Lateinamerika erst in Anf\u00e4ngen vorhanden.<\/p>\n<p>Dabei w\u00e4re die Sensibilisierung der Bev\u00f6lkerung in diesem Bereich von gr\u00f6sster Bedeutung. Unrat liegt \u00fcberall herum und ein Grossteil der Bev\u00f6lkerung in diesen L\u00e4ndern hat bis heute den Zusammenhang von Abfall und Gesundheitsproblemen, Grundwasserverschmutzung und Infektionskrankheiten nicht realisiert.<br \/>\nDie Ausbildung vermittelt wichtige Werte wie Solidarit\u00e4t, Kooperation, Toleranz, Teamwork und Respekt f\u00fcr die Mitmenschen und die Natur und f\u00f6rdert das kreative Potential der Kinder f\u00fcr neue L\u00f6sungswege. Die Theatervorstellungen und Darbietungen der Truppe sind ein Mittel, der Bev\u00f6lkerung diese Problematik vor Augen zu f\u00fchren. Ziel ist es, ein Bewusstsein f\u00fcr die Erhaltung der Umwelt und die Verantwortung eines jeden Einzelnen f\u00fcr die Gesellschaft zu vermitteln.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.kinderkulturkarawane.de\/2007\/escuela\/escuelaframe.htm\">Weitere Informationen<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.escueladecomedia.org\/de\">Website des Projekts<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ausgangslage In den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts stand Nicaragua im Brennpunkte der internationalen Politik. Der Sturz der Somoza Diktatur 1979 und die 10 Jahre w\u00e4hrende Regierung der Sandinisten stellten Nicaragua ins Rampenlicht der \u00d6ffentlichkeit. 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