Die Zukunft sind wir!

„Die junge Generation befindet sich im Aufbruch. Sie ist anspruchsvoll, will mitgestalten und neue Horizonte erschließen“, ist ein Fazit aus neuen „Shell-Jugendstudie“, die im Oktober 2015 vorgestellt wurde. Laut dieser Studie sehen sich 41% der Jugendlichen als „politisch interessiert“, mehr als je zuvor.

Das „Greenpeace Nachhaltigkeitsbarometer“, das von der Leuphana-Universität (Lüneburg) im August 2014 erarbeitet wurde, stellt fest,  dass Jugendliche, die ein Bewusstsein für Nachhaltigkeit entwickelt haben, bereit sind, ihre persönlichen Konsummuster und ihr Verhalten zu verändern.  Der überwiegende Teil der Befragten aber (über 70%) wird sich aber nicht politisch oder gesellschaftlich engagieren.  Laut dieser Studie sind 60% der befragten Jugendlichen in der Schule nicht mit Nachhaltigkeitsthemen konfrontiert worden. Wenn jungen Menschen Nachhaltigkeitsfragen im schulischen Zusammenhang begegnet sind, zeigen sie „zugleich auch eine größere Handlungsbereitschaft und Interesse an Nachhaltigkeits- und Umweltfragen“.

„Es hat sich aber [auch] gezeigt, dass nicht für alle Schülerinnen und Schüler die gleichen Chancen bestehen, Nachhaltigkeitsaspekten zu begegnen. Insbesondere das Bildungssystem leistet immer noch nicht genug Vermittlungsarbeit.“

Gleichzeitig sind Ende September von der UN die „Sustainable Development Goals“ (SDG) verabschiedet worden, die mit über 160 Ober- und Unterzielen in den nächsten 15 Jahren die Welt spür- und messbar gerechter gestalten sollen. Besonders daran ist, dass die SDG erstmals für ALLE Staaten gelten und damit ein Novum schaffen: auch die „entwickelten“ Staaten sind aufgefordert, die SDG bei sich umzusetzen und diese Umsetzung zu überprüfen.

Außerdem wurde Ende September in Deutschland das „Weltaktionsprogramm Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (WAP) gestartet, als veränderte Weiterführung der UN-Dekade Bildung für nachhaltige Entwicklung.

Es ist offensichtlich, dass die entwicklungspolitische Bildungsarbeit in dieser „Gemengelage“ gefordert ist.

Mit dem „Orientierungsrahmen Globale Entwicklung“ (ORGE), der von BMZ und KultusministerKonferenz (KMK) entwickelt und im Juni 2015 von der KMK verabschiedet wurde, werden LehrerInnen nahezu aller Schulformen und Fächer in die Lage versetzt, Themen der Nachhaltigkeit und der Globalen Gerechtigkeit in Unterricht und Schule umzusetzen. „Der Orientierungsrahmen vermittelt, dass der Lernbereich Globale Entwicklung Fächer übergreifend angewandt wird und bildet die Grundlage dafür, das Thema globale und nachhaltige Entwicklung im Unterricht zu verankern. Er definiert, wie Globales Lernen in Lehrplänen umgesetzt werden kann, wie Unterricht gestaltet und schulexterne Kompetenz aus dem staatlichen und nichtstaatlichen Bereich beteiligt werden kann.“, heißt es auf der Website von „Engagement Global“ dazu. Mit unserem kulturellen peer-to-peer-Ansatz sind wir in diesem ORGE als Beispiel guter Praxis vorgestellt. Nicht zuletzt, weil die von uns eingeladen Projekte aus dem Globalen Süden (GS) mit ihrer Arbeit und der „authentischen Süd-Sicht“ ihre Peers hier sowohl „zur aktiven Beteiligung an einer sozial verantwortlichen Gesellschaft in der globalisierten Welt […] motivieren.“ (BMZ-Konzepte 159), als auch die Handlungskompetenz der Schülerinnen und Schüler (SuS) hier einfordern und fördern. Zudem verdeutlichen sie mit ihren kulturellen Produktionen „globale Zusammenhänge und ihre Einflüsse auf den einzelnen Menschen“ (BMZ-Konzepte 159).

Unsere Erfahrung als „Offizielles Projekt der UN-Dekade BNE“ über 10 Jahre hat uns gezeigt, wie intensiv unser methodischer Ansatz einen „Perspektivwechsel zwischen Menschen, die auf unterschiedliche Weise von Globalisierung betroffen sind“ (BMZ-Konzepte 159) fördert. In einem „Dialog auf Augenhöhe“ werden Erfahrungen, Erkenntnisse, Bewertungen und Handlungen miteinander verknüpft, basierend auf gegenseitigem Vertrauen, auf Offenheit und Neugier.

Die Süd-Partner, mit denen wir zusammenarbeiten, sind von verschiedenen SDG „betroffen“. Armut, Umweltzerstörung, Klimawandel sind bei den meisten ebenso Thema wie die UN-Kinderrechtskonvention.  In allen Projekten werden die Kinderrechte auf kulturelle Selbstverwirklichung und auf kulturelle Teilhabe sehrernstgenommen, weil deren Umsetzung zur Entfaltung von Talenten, zu mehr Selbstbewusstsein und dadurch zu „Empowerment“ führt, zu gesellschaftlicher Teilhabe und zu Engagement für gesellschaftliche Veränderungsprozesse. Die Jugendlichen in diesen Projekten nehmen ihre Zukunft selbst in die Hand und werden dadurch zum Vorbild für die SuS hier, die vor allem in Haupt-, Real- und Stadtteilschulen selbst nach Perspektiven für ihre Zukunft suchen.

Inwieweit dabei ein gemeinsames Engagement der Jugendlichen möglich ist, werden die Jugendlichen gemeinsam erarbeitet werden, denn „Die Zukunft sind wir!“.